Gewichtiges Gleichgewicht
Hallo Du,
wäre es nicht schön,
mit sich und der Welt im Gleichgewicht zu sein,
keine Spannungen und Auseinandersetzungen zu haben,
geduldig, gelassen und zufrieden,
ausgeglichen und ausgewogen zu sein?
Oft wünsche ich mir,
mich immer in diesem Zustand zu befinden
und doch bin ich manchmal ganz froh,
im rechten Moment aus dem Gleichgewicht zu geraten,
um Altes zu überdenken und Neues zu wagen.
Im Gleichgewicht besteht eine Beziehung
zwischen zwei oder mehreren Gewichten,
die sich ausgewogen zueinander verhalten,
d.h. keines überwiegt und keines unterliegt.
Es ist ein Idealzustand, den wir anstreben,
der aber nur schwer zu erreichen und zu erhalten ist.
Jeder Mensch möchte gerne Gewicht haben,
ernst genommen und berücksichtigt werden,
gewichtig und wichtig sein.
Mache futtern es sich an, andere hungern es sich ab;
manche glauben es zu haben, andere haben es,
ein Gewicht
durch Amt oder Position,
durch Wissen oder Können,
durch Selbstwert und Persönlichkeit.
In Wirklichkeit aber gewichtet jeder selbst,
sich, andere und anderes.
Wir geben etwas ein Über- oder Untergewicht.
Wir entscheiden selbst darüber,
was für uns gewichtiger oder unwichtiger ist,
wem oder was wir mehr oder weniger Beachtung schenken,
wovon wir uns mehr oder weniger versprechen,
wofür wir uns mehr oder weniger anstrengen,
wonach wir uns strecken oder wovor wir uns verstecken.
Dementsprechend verhalten wir uns
und dementsprechend sind wir!
Wir tun uns hervor oder halten uns zurück,
spielen uns auf oder spielen etwas herunter,
wir helfen anderen oder lassen uns helfen,
wir geben großzügig ab oder nehmen zaghaft an,
wir nehmen übermäßig oder geben mäßig.
Menschliche Beziehungen sind sehr empfindlich,
genauso empfindlich wie eine Balkenwaage,
die bei geringen Veränderungen sofort ausschlägt
und die erst wieder ins Lot kommt,
wenn das Ungleichgewicht ausgeglichen,
wenn das Gegengewicht erhöht,
oder das eigene Gewicht verringert wird.
Es ist eine schwierige Kunst,
nicht mehr und nicht weniger zu sein, als man ist,
nicht mehr zu wollen, als man hat
und nicht mehr zu haben, als man haben sollte;
und wenn man doch mehr hat, als man braucht,
das abzugeben, was andere brauchen.
Die anderen aber, nehmen nur ungern an,
weil sie nicht verpflichtet sein wollen
oder weil sie gleichgewichtig bleiben wollen;
und wenn sie doch etwas annehmen,
drängt Ihre Dankbarkeit sie zum Ausgleich.
Ein äußeres Ungleichgewicht, eine Unausgewogenheit,
eine Widersprüchlichkeit oder ein Übermaß
weisen häufig auf ein inneres Ungleichgewicht hin.
Viele Menschen können nur dann
ein äußeres Gleichgewicht herstellen
oder sich auf eines einlassen,
wenn sie im inneren Gleichgewicht sind,
wenn sie ausgeglichen und ihre Ansprüche ausgewogen sind,
wenn ihr Wollen und Können in der Waage ist
und das ist ganz schön schwer,
besonders in der Gegenseitigkeit.
Deshalb wünsche ich Dir das rechte Maß,
die richtige Gewichtung,
und das Dir angemessene Gewicht -
und kein Quäntchen mehr,
aber auch keines weniger.

