
Liebe trauert mit
Hallo Du,
ich sehe Deinen Schmerz
und achte Deine Trauer.
Ein Dir sehr nahestehender,
ein Dir ans Herz gewachsener Mensch verlässt Dich –
und Du fühlst Dich verlassen.
Diese Trennung setzt in Dir Gefühle frei,
die Dich überschwemmen und hilflos machen;
sie setzt in Dir Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse frei,
die Euch verbunden haben, in guten und in schlechten Tagen.
Du erlebst jetzt sehr intensiv die Momente,
in denen ihr Euch nahe gekommen und zusammen gewachsen seid,
in denen ihr geliebt, gelitten, vergeben und vergessen habt,
in denen Du empfunden, gefühlt und geliebt hast - und worden bist.
Und Du beschwörst diese Erinnerungen,
als gelte es, sie festzuhalten, einzumeißeln in Stein,
damit sie Dir nicht auch verloren gehen.
Aber an Deinen Erinnerungen erkennst Du auch,
dass sie in Dir sind und aus Dir kommen,
dass sie ein Teil von Dir geworden sind
und Dich beeinflusst und geprägt haben, und auch,
dass sie Dir niemand nehmen kann und sie in Dir überdauern.
Bewahre und behüte sie im Guten,
denn sie sind ein Teil Deiner Lebensgeschichte,
in der der andere mit Dir weiterlebt.
Deshalb darfst, musst und sollst Du weiterleben,
denn indem Du den verlorenen Menschen in Dir trägst,
ehrst Du ihn, Dich und Eure gemeinsame Vergangenheit.
Sein Wesen, sein Wirken und sein Leben
hatten nur dann einen Sinn,
wenn ein Teil davon in Dir bleibt und durch Dich,
in Deinem Denken, Sagen und Tun aufersteht.
Halte die Fackel am leuchten und trage sie weiter.
Und so erkennst Du,
in Deiner Trauer und in Deinem Trennungsschmerz,
auch Deine Stärke, Deine Kraft und Deinen Lebenssinn.
Es ist Deine Liebe und Dankbarkeit, die Dich trauern lässt;
es ist Deine Stärke, die die Schwäche zulässt, annimmt und füllt;
es ist Deine Lebenskraft, die Dich loslassen und weitergehen lässt.
Indem Du loslässt, erlaubst Du dem anderen zu gehen,
indem Du ihn gehen lässt, erlaubst Du Dir weiterzuleben,
nur indem Du wieder auflebst und weitergehst, bist Du lebensfähig.
So gesehen ist jeder Abschied ein Neuanfang
und jede Trennung eine Chance für neues Leben und Erleben,
eine Gelegenheit zur Öffnung für Fremdes und Neues,
für Weiterentwicklung, Reifung und Überwindung.
Und das gilt auch für den anderen, für den, der geht.
Auch er geht in ein neues Leben, in dem Du bei ihm sein wirst.
Auch er nimmt mit und fängt neu an, im Diesseits oder im Jenseits.
Es ist eine menschliche Eigenschaft,
festhalten zu wollen, was wir liebgewonnen haben.
Dagegen steht aber das Gesetz des Lebens,
zu trennen und zu beginnen, immer und immer wieder.
Trennung und Tod sind nicht das Ende, sondern immer ein Anfang.
Wir beenden und überwinden etwas,
um uns zu entlasten und um etwas anderes befreit zu beginnen.
Überwinden ist wachsen.
Es ermöglicht uns, uns selbst loszulösen,
reif zu werden für ein Leben im Jenseits, für das Leben in der Ewigkeit,
in der wir wieder mit unseren Lieben und Geliebten vereint werden,
verbunden werden in himmlischem Verständnis und Frieden,
in göttlicher, nie endender Treue, Liebe, Einigkeit und Gemeinschaft.
Ich, Gott, bin dein bester Freund,
ich bin Dein Anker im Leben.
Ich bin
der, der Dich versteht und zu Dir hält,
der, der Dich hält und zurückhält,
der, der Dir beisteht und Dich tröstet,
der, der Dich aufrichtet und Dir immer nahe ist,
der, der Dich und Deine Liebe braucht:
für gemeinsames Lachen und Weinen, für gegenseitige Wertschätzung,
fürs ‚miteinander Freuen’, ‚füreinander Da sein’ und ‚umeinander Trauern’.

