Was ist Dein Wille?
Hallo Du, gnädiger Vater,
das Leben stellt mich vor eine wichtige Entscheidung,
aber ich kann Deinen Willen nicht erkennen!
Mein Kopf argumentiert und wägt ab,
er stellt fest und denkt logisch.
Es spricht vieles für ein Ja,
aber ich weiß,
dass ein Kopf-Ja mein Wille sein wird.
Mein Bauch sagt mir instinktiv,
aus meiner Empfindlichkeit und meinen Gefühlen heraus,
aus meinen Hoffnungen, Sehnsüchten, und Begierden heraus,
ebenfalls ein lautes Ja,
und dennoch erahne ich mein Ego.
Ich bin mir nicht im Zweifel.
Alles spricht dafür.
Und dennoch,
ohne Deinen Segen
möchte ich diesen wichtigen Schritt nicht tun.
Also lege ich vertrauensvoll
diese Entscheidung in Deine Hände
und baue auf Deine Weisheit und Güte.
Ich bin mir sicher,
dass Du das Kommende,
die Menschen, Gelegenheiten und Möglichkeiten,
die Geschehnisse, Ereignisse und deren Ablauf,
nach Deinem Willen ausrichten wirst
und den will ich dann dankbar anerkennen.
Also gehe ich mutig voran,
durch Deine Begleitung gerüstet,
und ich erlebe,
wie Du die Umstände gestaltest
und mich darin führst.
Alles kommt anders,
als ich vermutet und erhofft,
insgeheim gewünscht oder befürchtet habe.
Mein großes Ja zerbricht
in Dankbarkeit für Deine andere Fügung.
Und dennoch,
meine Gefühle hadern.
Sie wollen es nicht wahr haben.
Sie wollen es nicht akzeptieren.
Sie suchen einen Ausweg.
Sie fühlen sich
verwirrt und unbeachtet,
ungeliebt und unbestätigt,
übergangen und beleidigt.
Das Kind in mir schreit, zetert und tobt.
Im Trotz will es böse sein,
auf etwas oder auf jemanden.
Erkenne ich da gekränkten Stolz,
verletzte Eitelkeit und uneinsichtige Überheblichkeit,
irreales Wunschdenken und irrationales Wunschhandeln?
Was geschieht da in mir, mit mir?
Wer kämpft gegen wen?
Weshalb sind meine Gefühle
gegen Deine Entscheidung, ja letztlich gegen Dich,
obwohl ich sie vertrauensvoll akzeptieren wollte?
Gnädiger Vater,
ich danke Dir für diese Lehre und Erkenntnis!
Zum Glück habe ich Dich um Führung gebeten
und sie Dir überlassen.
Du machst keine Fehler!
Du tust immer das Richtig im richtigen Moment,
auch wenn ich es nicht erkennen kann,
denn meine Weisheit ist zu gering,
mein Horizont nicht weit genug und meine Zeit zu kurz.
Alles was Du tust ist gut. Immer und ewig!
Auch wenn ich manches gerne anders hätte;
auch wenn ich manches aus eigener Kraft
bekommen und erreichen könnte,
Dein Wille geschehe in meinem Leben.
Ich habe gelernt,
dass mein Ego mich entzweit,
mich von Dir entfernt,
mich ins Fegefeuer von beherrschenden Abhängigkeiten bringt,
die Schmerz und Leid bewirken
und die die Hölle auf Erden sein können.
Wenn ich aber Deine Wege gehe,
Dein Wort lese, höre und verstehe,
mich von Deinem Geist leiten lasse,
dann bin ich gut aufgehoben,
dann bin ich in mir und mit Dir einig,
dann kann ich die Gegebenheiten
als Deinen Willen anerkennen
und mein Denken und Handeln an Dir ausrichten,
dann habe ich verstanden,
dass es Deine Aufgabe ist,
Veränderungen in mir zu ermöglichen
und dass es meine Aufgabe ist,
an mir und meinem Charakter zu arbeiten.
Ich muss mich verändern, es wollen und tun!
Ohne Dich zu fragen,
wäre alles anders gelaufen.
Ich hätte es anders hinbekommen,
nach meinem Willen und meinen Vorstellungen,
nach meinen Gefühlen und Empfindungen,
ohne Bloßstellung meines Stolzes und meiner Eitelkeit,
aber auch ohne diese hilfreiche Erkenntnis.
Ich habe erkannt, dass andere,
die Versprechungen machen,
die nicht in Deinem Sinne sind,
Dir als Werkzeuge dienen,
um mich zu prüfen und herauszufordern,
um mich zu Erkenntnis, Vertrauen und Wachstum zu bringen.
Dein Wille geschehe in meinem Leben,
damit es immer anders kommt,
als ich denke, wünsche, erwarte und will.
Himmlischer Vater,
meinen Willen habe ich Dir bereits gegeben,
nun nehme bitte auch noch meine Gefühle
und läutere sie, befreie sie von allen Unreinheiten,
damit auch sie in Deinem Licht glänzen
und Deine Gnade und Größe ausstrahlen,
damit Dein Geist, mich ungehindert erfüllen
und in meiner Ohnmacht und Schwäche
segensreich durch mich wirken kann.
Amen.

