Über den eigenen Schatten springen (Lk 8, 16)
Hallo Du,
heute Morgen hat meine Frau mir von einem Bekannten erzählt,
der in einer speziellen Situation Schwierigkeiten hat und sie meinte,
er solle doch einmal über seinen eigenen Schatten springen.
Dabei stutzte ich und stellte mir das lebhaft vor.
Als Kind habe ich das oft versucht, aber es ging nicht.
Ich musste feststellen, dass mein Schatten fest mit mir verbunden ist
bzw. dass ich mit meinem Schatten fest verbunden bin.
Mein Schatten entsteht durch mich.
Ich nehme meinem Schatten das Licht.
Ohne mein aufsaugendes, stark selbstbezogenes ICH
gäbe es vielleicht keinen Schatten.
Sicherlich kennst du das Sprichwort:
“Wo Licht ist, ist auch Schatten“.
Schauen wir uns das doch mal genauer an!
Da ist eine Lichtquelle. Sie sendet Licht aus.
Das Licht fällt auf eine Person, zum Beispiel auf mich.
Ich bin ein Hindernis für das Licht, undurchdringlich.
Es bleibt an mir hängen und kann nicht weiter.
Neben mir kommt es weiter.
Da, wo ich das Licht zurückhalte, entsteht hinter mir Schatten.
Da, wo ich dem Licht im Weg bin, ist naturgemäß Schatten.
Ich bin die Ursache für meinen Schatten.
Und wenn das Licht, wie ein Scheinwerfer,
mich von seitwärts so richtig beleuchtet,
mein ICH so richtig beleuchtet und mich anstrahlt und hervorhebt,
dann ist mein Schatten am Größten.
Ist der Schatten ein Sinnbild für mein Lebensleid?
Ist er das Abbild meines ICH’s?
Wie viel Licht ist gut für mich?
Wie viel Schatten darf in meinem Leben sein?
Wenn ich schon nicht über meinen Schatten springen kann,
so kann ich vielleicht doch über mein ICH springen
und über mich hinauswachsen.
Ich muss mich nicht so wichtig nehmen.
Ich muss nicht unbedingt im Rampenlicht stehen.
Ich muss mich nicht beweisen.
Ich muss nicht beleuchteter und angestrahlter Mittelpunkt sein.
Ich brauche keine, sich selbst darstellende Eitelkeit
und keinen vordergründigen Stolz und Hochmut.
Die Bibel rückt das Verständnis von Licht und Schatten ins rechte Licht!
Im Lukasevangelium steht das doppelte Licht-Bild:
„Alles, was jetzt noch (im Dunkel) verborgen ist, kommt einmal ans Licht,
und was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen.“ (Lk 8, 17)
Das heißt doch, dass nichts im Dunklen und Verborgenen bleiben,
sondern alles ans Licht kommen soll, damit es offen-sichtlich wird.
Wir brauchen keine Geheimnisse,
wir müssen nichts verstecken,
wir müssen uns für nichts schämen,
wir müssen nicht unwissend bleiben,
wir müssen uns nicht klein machen und fürchten.
Jesus sagt in Joh 8,12
„Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der
Dunkelheit umherirren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt.“
Wenn wir den Weg mit Jesus gehen,
wenn wir ihn in unseren Lebensmittelpunkt stellen,
wenn wir auf seine Worte hören und sie annehmen,
dann wissen wir,
wer wir sind und wer wir nicht sind,
wer wir für Gott sind,
wer Gott für uns ist,
wozu wir erschaffen wurden und leben.
Wir wissen es von uns und von den anderen.
Wir wissen mit unserer Unvollkommenheit umzugehen,
weil Gott uns zum Ausgleich seine Vollkommenheit schenkt.
Wir werden ein Teil von ihm, ein Teil seines Lichts.
Wir sind dann seine Kinder, seine Söhne und Töchter.
Er teilt mit uns sein Vermögen.
Durch unsere Fähigkeiten, Begabungen und Stärken fällt sein Licht auf uns
und im tatkräftigen Einsatz strahlt es aus uns heraus.
Durch unsere Unmittelbarkeit, Echtheit und Natürlichkeit,
durch unsere Zuversicht, Gelassenheit und unser blindes Gottvertrauen,
durch unser liebevolles Verhalten
strahlt er selbst aus uns heraus,
denn er wohnt in uns mit seiner Kraft und Stärke.
„Niemand zündet eine Lampe an und versteckt sie dann
unter einem Eimer oder stellt sie unter ein Bett.
Im Gegenteil: Man stellt die Lampe so auf,
dass jeder, der hereinkommt, das Licht sieht.“ (Lk 8, 16)
Gott entzündet doch nicht unser Leben
und versteckt uns dann unter einer Decke aus Scham und Sünde
oder unter den verwahrlosten Betten
von Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Hass, Neid, Stolz oder Aggression.
Nein Gott deckt auf!
Er erhellt und löst damit Schatten auf!
Er ermöglicht, ermutigt, stellt ins rechte Licht.
Er ermöglicht uns, durch Jesus Christus, ihn und uns zu finden.
Er gibt uns durch sein Licht Orientierung und ermöglicht uns,
dass auch wir zu Licht werden, Jesus immer ähnlicher.
Mein Schatten ist fest mit meinem Körper verbunden.
Ich kann ihn verkleinern, wenn ich dem Licht
nicht soviel Körperfläche, soviel ICH, entgegen stelle.
Aber wenn ich selbst zum Licht werde, erleuchtet werde,
wenn mein Geist Licht ist und leuchtet,
wenn ich selbst im Glanz Gottes strahle,
dann habe ich keinen Schatten mehr.
Vielmehr beleuchte ich dann andere und helfe ihnen,
das Geheimnis Jesus Christus zu erkennen
und dadurch selbst zum Licht zu werden.
So soll es werden!
Jesus sagt in Mt 5:14:
„Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt.“
Mit der Erkenntnis der eigenen Schatten fängt es an
und durch das selbstlose Opfer Jesu
werde ich durch Vergebung aus der Schattenwelt herausgelöst.
Ich darf aus dieser beschmutzten Vergangenheit auferstehen
und mich im Licht sehen lassen.
Und indem mich das göttliche Licht bestrahlt,
werde ich innerlich rein und damit sogar transparent.
Das Licht durchdringt mich jetzt
und jeder weiß, dass dieses Licht von Gott ist.
Und dann geschieht das Wunder des Heiligen Geistes!
Das geistige Licht wird in mir entzündet
und ich erkenne, verstehe und gebe weiter.
Es schwingt mit dem Geist Gottes
und ich werde zur göttlichen Sendestation auf der Erde.
Erkenntnis, Wahrheit und Weisheit,
verbunden mit einer grenzenlosen, alles umfassenden Liebe,
werden auf mich übertragen und leuchten aus mir heraus.
Jeder sieht es.
Jeder wird von dieser übernatürlichen Ausstrahlung angezogen.
Jeder möchte in der Nähe dieses Wunders sein und daran teilhaben.
Jeder erkennt darin Gott und seine großartige und gnädige Liebe.
Jeder möchte seinen einengenden Schatten verlassen.
Jeder möchte selbst zum Licht werden und aus sich heraus strahlen.
Jesus Christus hilft auch dir dabei!!!

