Fester Halt
Hallo Du,
Du hast das Gefühl,
dass Dein Selbstvertrauen schwindet,
dass Dein Selbstbewusstsein zerbricht,
dass Dein Gleichgewicht verloren geht,
dass Du ins Schwanken kommst,
dass Du labil bist,
vielleicht sogar auf einen Abgrund zustürzt
oder ins Bodenlose fällst?
In diesen Situationen ist es verständlich,
dass Du einen festen Halt suchst,
einen Halt,
der Dich vor Schlimmem bewahrt,
der Dir die Angst nimmt,
der Dich retten soll.
Du möchtest wieder Boden unter die Füße bekommen,
Dich mit beiden Händen an etwas festhalten,
einen festen Standpunkt einnehmen,
klare und stabile Verhältnisse haben,
im Denken geordnet und gefestigt sein.
Du suchst ein starkes Vorbild,
einen stabilen Menschen,
Geborgenheit und Sicherheit,
Zuwendung und Zuverlässigkeit,
einen verlässlichen Rahmen,
Erfolg und Besitz,
neue Lebenswerte und -ziele,
oder einen guten Arzt,
an denen Du Dich festhalten kannst,
wenigstens vorübergehend,
bis es Dir wieder besser geht.
Und zunächst hilft das auch,
aber je länger und je fester Du Dich hältst,
desto schlechter geht es Dir,
desto abhängiger und unselbständiger wirst Du.
Keine Sache, kein Ziel und kein Mensch
kann Dir heute den Halt geben,
den Du Dir wünschst,
den Du glaubst zu brauchen,
den Du hoffentlich als kleines Kind
bei Deinen Eltern hattest.
Diesen Halt findest Du letztlich nur bei Dir selbst,
in Deinen Besonderheiten und Stärken,
in Deinen Begabungen und Gedanken,
in Deinen Ansichten und in Deinem Tun.
Der Weg zu Dir selbst,
zu Deiner Selbstliebe und Selbstannahme,
ist mühsam und steinig, er ist unbequem,
aber fruchtbar und lohnenswert.
Den Weg findest Du,
durch Aufgeben Deines Wollens,
durch Anerkennen Deiner Ohnmacht,
durch Einfügen in Dein Schicksal und
durch Vertrauen in eine weise, göttliche Führung,
die immer nur das Beste für Dich will,
auch wenn Du sie,
wegen Deines beschränkten Fühlens,
Denkens und Wahrnehmens
nicht verstehen und einsehen kannst.
Den Weg findest Du durch Überwindung
Deiner Maßlosigkeit,
Deines Stolzes und Hochmuts,
Deiner Wut und Deines Zorns,
Deines Neids,
Deiner Habgier,
Deiner Wollust
und
Deiner Trägheit.
Den Weg findest Du,
durch Selbständigkeit und Unabhängigkeit,
durch Glaube und Gottvertrauen,
durch Anstand und Ehrlichkeit,
durch Bescheidenheit und Dankbarkeit,
durch Aufmerksamkeit und Freundlichkeit,
durch Rücksicht und Selbstliebe,
durch Achtung und Würde.

