Ver-sprechen (Jer 17,5-8)
Hallo Du,
es hat sehr lange gedauert
und es war sehr schmerzlich,
bis ich verstanden habe,
dass ein menschliches Versprechen nichts wert ist
und dass ich mich darauf nicht verlassen kann und darf,
denn ansonsten bin ich verlassen.
Etwas versprechen bedeutet,
jemandem fest und verbindlich erklären,
dass etwas vom Versprechenden getan wird.
Ein Versprechen ist eine Selbstauflage,
eine Bindung, für die ich mit meinem Wort,
mit meiner ganzen Person
und mit meiner Zuverlässigkeit einstehe;
sie ist sozusagen eine Selbstverpflichtung.
Doch jetzt habe ich verstanden,
dass eine solche Zusage, ein solches Ehrenwort
vom Charakter des versprechenden Menschen abhängig ist.
Wenn es hart auf hart geht
und eigene Interessen im Vordergrund stehen,
vergessen viele Menschen gerne ihre Zusicherungen
und legen sie als Versprecher, als ein ver-sprechen,
als eine falsche Wortwahl aus.
„Ich habe damit nur eine Möglichkeit genannt.“
„Ich habe mich wohl nicht ganz klar ausgedrückt.“
„Ich habe es zwar so ähnlich gesagt, aber nicht so gemeint.“
„Das habe ich nicht so ernst genommen.“
„Auf Versprechen darf man eben nichts geben, das weiß doch jeder.“
Wo keine Ehre ist,
da ist auch keine Ehrlichkeit und Verbindlichkeit,
da sind Versprechen Schall und Rauch,
dummes, einschläferndes, hinhaltendes Gerede,
das Hoffnung weckt,
das etwas erwarten lässt, was nie eintrifft!
Wo keine Ehre ist,
da wird mit Ehre gegeizt,
da beherrscht ein stark ausgeprägtes, egoistisches Streben
nach Erfolg, Geltung oder Anerkennung den Menschen,
da sind Versprechen nur Mittel zum eigenen Zweck,
da werden Versprechen benutzt,
um eigene Ziele auf krummen Wegen verborgen zu erreichen.
Ein Mensch mit Ehre und Charakter
gibt keine Versprechen, sondern er handelt
und beweist damit seine Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit.
Er beschwichtigt und beschönigt nicht, sondern er vollzieht
und beweist damit seinen Wert, seine Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit.
Er verliert keine großen Worte über sein verlässliches Tun,
sondern er beweist damit seine Zuneigung und Liebe umgehend.
Doch das ist nur die eine Seite.
Auf der anderen Seite ist der Mensch,
der auf ein Versprechen vertraut und vertrauen möchte,
der es gerne hört und es gerne so hätte,
der sich darauf einlässt und verlässt,
der sich davon abhängig macht,
der immer wieder Enttäuschung, Ernüchterung
und Desillusionierung erleben wird.
Es gibt nur einen Weg aus diesem Dilemma
zwischen ‚Versprechung’ und ‚darauf vertrauen’:
Lasse Dich nicht auf Versprechungen ein,
vertraue ihnen nicht und mache Dich,
Deine Hoffnungen und Dein Handeln nicht von ihnen abhängig,
sondern gehe besser Deinen eigenen, unabhängigen Weg.
Beachte immer:
Nicht Worte zählen, sondern alleine die Taten,
auch bei Dir.
Jeremia 17, 5 – 8
So spricht der Herr:
„Verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verlässt
und sich von mir abwendet.
Der wird sein wie ein Dornenstrauch in der Wüste
und wird nicht sehen das Gute, das kommt,
sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste,
im unfruchtbaren Land, wo niemand wohnt.
Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt
und dessen Zuversicht der Herr ist.
Der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt,
der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.
Denn obgleich Hitze kommt, fürchtet er sich nicht,
wenn ein dürres Jahr kommt,
sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“

