Macht Liebe blind? (Mt 13-15)
Denn die Herzen dieser Menschen sind verhärtet, ihre Ohren können nicht hören und sie
haben ihre Augen geschlossen. Ihre Augen sehen nicht, ihre Ohren hören nicht und ihr Herz
versteht nicht, und sie kehren nicht zu mir um, damit ich sie heil mache. (Mt 13,15)
Hallo Du,
eine Inspiration beim heutigen Frühgebet führt mich zu der Frage: Macht Liebe blind?
Wir sprechen von einem 'blinden Passagier' der aber nicht blind ist, sondern der heimlich an
Bord kommt und zu bezahlen mitreist. Oder auch vom 'blinden Eifer, der nur schadet' weil
Übereifer blind macht und Erfolg verhindert, weil man die Dinge nicht mit Abstand und in
Ruhe angeht.
Wir kennen auch die Redewendungen: 'Das sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock', oder
'ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn' oder eben auch 'Liebe macht blind'. Und oft sind wir
'wie mit Blindheit geschlagen', weil wir etwas Wichtiges nicht erkennen. Und es heißt: 'Nur mit
dem Herzen sieht man gut'.
Macht Liebe blind? Nein, das kann sie nicht, denn wir sind schon blind.
Wir sind unerfahren. Unser Wissen und Verstehen ist begrenzt. Unsere Ziele schränken unser
Sichtfeld ein und unser starkes Wollen sieht nur, was es sehen will. Dazu kommt, dass unsere
Gefühle und Emotionen die Wirklichkeit überhöhen. Unsere Ängste uns die Augen verschließen
und unsere Hoffnungen die Zukunft rosarot malen. Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt,
dass wir anderes und andere kaum noch sehen.
Das scheint menschlich zu sein, denn bereits vor über 2700 Jahren sagte der Engel des Herrn
zu Jesaja (6,9-10):
Geh und sag zu diesem Volk: Hört nur zu, ihr versteht doch nichts; seht hin, so viel ihr wollt,
ihr erkennt doch nichts! Rede zu ihnen, damit ihre Herzen verstockt werden, ihre Ohren
verschlossen und ihre Augen verklebt, sodass sie mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Ohren
nicht hören und mit ihrem Verstand nicht erkennen.
Das ist zunächst nur eine Feststellung: Seht hin, so viel ihr wollt, ihr erkennt doch nichts!
Hintergründig aber ein verstehender Blick auf menschliches Denken. Nämlich wenn uns jemand
auf etwas Unangenehmes hinweist und auch noch zur Besinnung und Änderung mahnt, dann
verschließen wir schnell unsere Augen, Ohren und Herzen. Dadurch geht es uns aber immer
schlechter. Solange, bis wir bereit werden, Rat anzunehmen, Gott zu sehen, ihn anzuerkennen,
auf ihn zu hören, uns ihm unterzuordnen und uns in die Gemeinschaft einzuordnen.
Not, Leid und Schmerz lassen eigene Mängel erkennen. Sie sind eine Chance, sehend zu werden
und uns (endlich) weiterzuentwickeln.
Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der HERR liebt die Gerechten. (Ps 146,8)
Weshalb tut er das? Aus Liebe und Barmherzigkeit.
Seine Liebe sieht nicht nur das Schlechte, sondern vor allem das Gute.
Seine Liebe hofft auf unsere Umkehr zu ihm, damit wir genesen.
Seine Liebe verändert Einstellungen, Sichtweisen und Gewohnheiten und macht liebevoll.
Und mit unserer Hinwendung zu ihm geschieht das Wunder:
Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er wurde wieder sehend;
und er stand auf, ließ sich taufen. (Apg 9,18)
Denken wir einmal an ein junges Liebespaar. Macht Liebe sie füreinander blind?
Nein, Liebe macht sie sehend! Sie wissen es nur nicht.
Die Liebe macht sie offen, freundlich und bescheiden und sie sehen weniger auf sich selbst.
Ihre Liebe sieht das Besondere und das Gute, Das Wichtige, im anderen und erfreut sich daran.
Ihre Liebe sieht und akzeptiert Ecken und Kanten am anderen.
Liebe verändert und überwindet. Das Herz erkennt, was die Augen sehen.
Und die Augen der Sehenden werden nicht mehr blind sein, und die Ohren der Hörenden
werden aufmerken. (Jes 32,3)
Jesus sagt in Joh 9,39:
Ich bin in die Welt gekommen, um solche, die nicht sehen können, zum Sehen zu bringen
und denen, die sich für sehend halten, zu zeigen, dass sie blind sind.
Wir erkennen und verstehen. Er öffnet uns die Augen.
Durch ihn erhalten wir Hoffnung und Vertrauen in die Liebe, Güte und Weisheit Gottes.
Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. (Röm 8,25)
Das ist Zuversicht und Glaube, die aus Einsicht und Liebe kommen.

