Immer wieder dazulernen! (Spr 1,5-7)
Selbst wer schon über viel Wissen und Erfahrung verfügt, kann noch dazulernen.
Neue Gedankenanstöße helfen ihm, die Aussprüche der weisen Lehrer zu verstehen
und ihre verschlüsselten Worte und Bilder zu enträtseln. Alle Erkenntnis beginnt damit,
dass man Ehrfurcht vor dem HERRN hat. Nur ein Dummkopf lehnt Weisheit ab und will
sich nicht erziehen lassen. (Spr 1,5-7)
Hallo Du,
wissbegierig sind die Hungrigen, denn ihr Interesse am Unbekannten füllt die Leere ihres
Unwissens und ermöglicht ihnen bewusste Lebenserfahrungen.
Lernen bedeutet, sich immer wieder auf Neues einzustellen, offen dafür zu sein, sich damit
vertraut zu machen, es zu prüfen, das Schlechte daran zu unterlassen, das Gute und
Annehmbare aber, zu erkennen und es im Herzen zu bewahren, damit es eingesät sei in
das bisherige Wesen, zu dessen Ergänzung und Weitung, zu dessen Wachstum und Reifung.
Beim Lernen eignen wir uns Erkenntnisse an, Kenntnis, Wissen, Fähigkeit und Erfahrung, die
wir als Denk- und Entscheidungsgrundlagen nutzen. Wir prägen uns etwas durch Übung fest
ein, was dann in uns verankert und jederzeit abrufbar ist. Wir gelangen durch Dazulernen im
Laufe der Zeit zu einer immer reiferen inneren Haltung und Einstellung, zu Klugheit und
Weitsicht.
Leben ist ständige Veränderung: Werden, Dazulernen und Vergehen. Wer verharrt, wird
unbeweglich und bleibt zurück. Wer nicht mehr dazulernen will, ist entweder hochmütig,
stolz und überheblich, weil er/sie glaubt, schon alles (besser) zu wissen oder ist einfach nur
faul, bequem und dumm. Vielleicht aber auch so schlau, andere für sich verantwortlich zu
machen und sie damit für sich arbeiten lassen.
Würden Kleinkinder nichts lernen, wären sie lebensunfähig. Würden Erwachsene nichts
dazulernen, würden sie gestrig, zurückgeblieben und vergreist, lebensfremd, zunehmend
überfordert und schließlich lebensfeindlich. Sie würden verbittert aggressiv oder ängstlich
zurückhaltend.
Alles Leben muss sich immer wieder auf Veränderungen von Situationen und in der Umwelt
einstellen, sonst hat es keinen Bestand. Wer naiv und unerfahren bleibt, wird ausgenutzt.
Wer sich bei Kälte nicht warm anzieht, erfriert. Wer keine Deiche baut, wird von der
nächsten Sturmflut überrollt. Wer sich nicht auf Computer und Digitalisierung einlässt, wird
irgendwann die verlangte Arbeit nicht mehr vollbringen und den Arbeitsplatz verlieren.
Alles Gelernte beeinflusst die weiteren Entscheidungen, den weiteren Lebensweg. Und,
jeder kleine Lernschritt, ist ein Schritt hinauf auf den Berg des Wissens, des Gesehen Habens,
des Sehens und Erkennens. Der Wissende wird weise. Er erkennt, dass sein Wissen trotzdem
bruchstückhaft bleibt und ihm zur persönlichen Vollendung noch etwas Anderes fehlt.
Der Anstieg ist mühsam, doch oben, am Gipfelkreuz angelangt, hat man einen grandiosen
Ausblick auf die Umgebung. Der Horizont weitet sich. Man bekommt Übersicht und erkennt
nun Zusammenhänge, die aus dem Mittendrin nicht möglich waren.
Wir verweilen. Wohlige Ehrfurcht und tiefe Dankbarkeit erfüllen uns. Wir scheinen
angekommen zu sein, das Ziel erreicht zu haben. Zufrieden setzen wir uns ans Gipfelkreuz,
lehnen uns daran an und genießen den Ausblick, den Moment, unser Glück.
Die Größe und Weite und Höhe und Schönheit beeindruckt und öffnet uns. Eine bis dahin
ungeahnte Kraft durchströmt uns und lenkt unsere Gedanken auf den Schöpfer, auf die
Größe und Erhabenheit Gottes und auf sein Wirken in der Schöpfung. Erfrischt und belebt
sind wir für das Kommende bereit.
Wer strebsam lernt, erreicht irgendwann ein Erkenntnisniveau, seine Bergspitze, von wo aus
er/sie durch eigene Anstrengung nicht mehr höher gelangen kann. Doch, angelehnt an das
Kreuz, im wohligen Durchwoben sein, in der Verbundenheit mit Jesus, wachsen die Flügel
der göttlichen Inspiration, die uns in glaubende Hoffnung und vertrauende Zuversicht tragen
wollen, hinein in ein Schweben im Leben, hinein in Gottes liebendes Geben, Führen und
Bewahren, hinein in seinen Aufwind von Liebe, Güte und Gnade.
Ja, wir wollen Fliegen, nicht den mühsamen Pfad zurückgehen, lieber in den Glaubens
winden immer wieder aufsteigen und uns an der neuen Verbundenheit mit Gott erfreuen.
Wir wollen im Auf und Ab gestärkt und ermutigt werden und uns in Gottes Obhut wohlig
geborgen fühlen.
So sind wir vorbereitet auf das Hinabgleiten in die Ebene, auf die Rückkehr in unsere alte
Welt, zu unseren Familien, zu unseren Freunden und Nachbarn, zu unseren Mitmenschen,
um ihnen von der Weitung und Weisheit des Glaubens zu erzählen, von unseren
Glücksmomenten mit Gott, vom Geist Gottes, der unser Wissen übersteigt und uns zu
Höherem befähigt. Wir wollen sie ermutigen, ebenfalls den mühsamen Anstieg auf den
Berg aller Erkenntnis zu wagen, damit auch sie die Weite schauen und das Licht Gottes
erkennen. Vielleicht auch den Stern sehen, der über dem Ort steht, wo das Kindlein
zur Welt kommt.
Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie
fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich
verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der
Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.
(Lk 2, 9-10)
Zurück in den Niederungen des Alltags, angekommen wieder im täglichen Lernprozess und
auf der Suche nach ‚Wohlstand‘, Klugheit, Weisheit und Erkenntnis, stolpern wir über den
zweiten Teil im Leittext für diesen Beitrag: Alle Erkenntnis (Weisheit) beginnt damit, dass
man Ehrfurcht vor dem HERRN hat.
Die gute Nachricht ist: Die Anerkennung Gottes und des Evangeliums ist bereits Weisheit,
das dem Menschen angemessene Verhalten. Diese Weisheit, dieses ‚Wissen‘, enthält die
Fähigkeit, die Natur und das menschliche Zusammenleben zu durchschauen, einzuordnen
und liebend zu bewältigen, mit Hilfe von Gottes Geist, der uns in enger Verbindung mit Gott
und Jesus gegeben wird.
Natürlich sollen wir uns nicht alles Erlebte zum Vorbild nehmen, denn sonst würden wir ja
wie ein Fähnchen im Wind hin und her flattern, von außen gesteuert, ahnungslos und
willenlos. Wir müssen aufmerksam sein, die Ereignisse hinterfragen. Wir müssen abwägen,
was gut oder schlecht ist, was schädlich oder was gottgerecht ist.
Wir entscheiden, was wir annehmen und was uns künftig ausrichten darf. Und weil wir damit
oft überfordert sind, brauchen wir Rat und Führung. Beratung durch Eltern, Lehrer oder
andere erfahrene Mitmenschen und Führung durch den vorausschauenden Geist Gottes, der
uns Notwendigkeiten nahelegt, Wege erkennen lässt und Kraft zum Weitergehen gibt.
Uns mit Gottes Augen zu sehen, verändert unsere Wahrnehmung. Gottes Zuwendung und
Liebe weiten und schaffen Vertrauen. Wir trauen uns, ihn um Weisheit und Erkenntnis zu
bitten. Wir wagen Glauben. Wir wachsen über uns selbst hinaus in die göttliche Weisheit, in
der die weltlich gesehene Torheit des Kreuzes zu einer himmlischen Weisheit wird, in der
dem Glaubenden Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung zuteilwerden. Von Jesus lernen wir,
dass ‚Dienen‘ Weisheit ist, nicht aber ‚Herrschen‘ und ‚Beherrschen‘. Wir lernen, dass Dienen
Erfüllung schenkt, Herrschen jedoch nur weiteres Verlangen. Wir lernen, indem wir uns Gott
unterordnen und auf ihn hören, vor ihm Hochachtung haben, vor seiner Allmacht, vor
seinem Allwissen und seiner würdevollen, inneren Größe, Hochachtung für seine Liebe, Güte
und Barmherzigkeit, für seine Klarheit, Deutlichkeit, Konsequenz und Entschiedenheit.
Hochachtung dafür, dass er Ordnung in unser verworrenes Tohuwabohu bringt, die uns zu
seinem erhellenden Licht für andere werden lässt, zu seinem würzenden Salz in ihrem faden,
gottlosen Leben.
Letztlich ist jede Entscheidung eine Wissens-, Erfahrungs- und Vertrauensentscheidung.
Auch die Bauchentscheidung ist letztlich eine Erfahrungsentscheidung. Wer zu wenig weiß,
hat zu wenig Erfahrungen gesammelt, ist entweder noch jung oder hat zu wenig gewagt.
Kenntnisse machen wagemutiger und geben Selbstvertrauen. Kenntnisse über Gott und sein
Wort verleihen dem Geist Glaubensflügel.
Alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler,
denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind
nicht erschöpft. (Jes 40,31; HfA)
Auch die Sprüche Salomos enthalten einige markante Aussagen:
Wer dazulernen will, lässt sich gerne belehren. Wer es hasst, auf Fehler hingewiesen zu
werden, ist dumm. (Spr 12,1)
Ein kluger Mensch will gerne dazulernen, darum hält er stets die Ohren offen. (Spr 18,15)
Unterweise den Klugen, und er wird noch klüger. Belehre den, der Gott gehorcht, und er wird
immer mehr dazulernen. (Spr 9,9)
Und aus der Erfahrung des Paulus lernen wir:
Und alles, was die Schrift sagt und was doch schon vor langer Zeit niedergeschrieben wurde,
sagt sie unseretwegen. Wir sind es, die daraus lernen sollen; wir sollen durch ihre Aussagen
ermutigt werden, damit wir unbeirrbar durchhalten, bis sich unsere Hoffnung erfüllt.
(Röm 15,4)
Ja, ich möchte Christus immer besser kennen lernen; ich möchte die Kraft, mit der Gott ihn
von den Toten auferweckt hat, an mir selbst erfahren und möchte an seinem Leiden
teilhaben, sodass ich ihm bis in sein Sterben hinein ähnlich werde. (Phil 3,10)
Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft
seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte ich mit ihm teilen und mein
Leben ganz für Gott aufgeben, so wie es Jesus am Kreuz getan hat. (Phil 3,10)
´Allerdings` blieb es selbst ihm, dem Sohn Gottes, nicht erspart, durch Leiden zu lernen, was
es bedeutet, gehorsam zu sein. (Hebr 5,8)
Deshalb hören wir auch seit dem Tag, an dem wir davon erfahren haben, nicht auf, für euch
zu beten. Wir bitten Gott, dass er euch durch seinen Geist alle nötige Weisheit und Einsicht
schenkt, um seinen Willen in vollem Umfang zu erkennen. Dann könnt ihr ein Leben führen,
durch das der Herr geehrt wird und das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande
sein, stets das zu tun, was gut und richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und
werdet Gott immer besser kennen lernen. Er, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört, wird
euch mit der ganzen Kraft ausrüsten, die ihr braucht, um in jeder Situation standhaft und
geduldig zu bleiben. (Kol 1, 9-11)
Und meine eigene Erfahrung bestätigt:
Ich bemühte mich, die Weisheit kennen zu lernen und das Tun und Treiben auf dieser Welt zu
verstehen. Doch ich musste einsehen: Was Gott tut und auf der Welt geschehen lässt, kann
der Mensch nicht vollständig begreifen, selbst wenn er sich Tag und Nacht keinen Schlaf
gönnt. So sehr er sich auch anstrengt, alles zu erforschen, er wird es nicht ergründen!
Und wenn ein weiser Mensch behauptet, er könne das alles verstehen, dann irrt er sich!
(Pred 8,16)

