Beten ist Handeln! (1.Tim 2, 1-4)
Leitvers
Wenn du in Not bist, rufe mich an! Dann will ich dich retten – und du
wirst mich ehren! Psalm 50,15
Einstieg
Der Arzt sagt, wenn alle menschlichen Möglichkeiten einer Behandlung ausgeschöpft sind:
„Da kann man nichts mehr machen! Jetzt hilft nur noch beten.“
Eine solche Aussage ist für Betroffene und Angehörige schlimm. Für mich ist sie doppelt
falsch. Sie geht davon aus, dass das Machen, (Handeln, Tun), vor dem Beten kommt und,
dass das Beten die letzte Möglichkeit ist, damit jemandem geholfen wird.
„Ora et labora et lege, Deus adest sine mora“, heißt es bei den Mönchen und übersetzt heißt
das: ‚Bete und arbeite und lies, Gott ist da ohne Verzug!‘
Für sie und für mich steht Beten an erster Stelle. Das Gebet ist Voraussetzung dafür, dass
die Arbeit, dass Machen und Bibellesen gelingen und fruchtbar ist, weil dann Gott mithilft.
Für sie ist Gott die Grundlage für gelingende Arbeit und ein gelingendes Leben, denn der
allmächtige und liebende Gott vermag viel mehr, als noch so kluge Menschen.
In der Verbindung mit Gott erhalten wir zusätzliche Kraft, Weisheit und Lösungen.
Mehr noch: In der Verbindung mit Gott finden wir unseren Lebenssinn und unsere
Bestimmung. Darum ist Beten die Hauptsache. Beten ist schon Handeln, denn es bezieht
Gott frühzeitig ein.
Darum sagt Paulus in 1.Tim 2, 1-4 NGÜ
Das Erste und Wichtigste, wozu ich ´die Gemeinde` auffordere, ist das Gebet. Es ist unsere
Aufgabe, mit Bitten, Flehen und Danken für alle Menschen einzutreten, damit wir ungestört
und in Frieden ein Leben führen können, durch das Gott in jeder Hinsicht geehrt wird und das
in allen Belangen glaubwürdig ist. In dieser Weise zu beten ist gut und gefällt Gott, unserem
Retter, denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und dass sie die Wahrheit erkennen.
Es ist der allmächtige Gott, mit dem wir beim Beten reden, den wir anbeten, den wir bitten,
bei dem wir klagen und Sorgen loswerden, der uns hilft, dem wir danken, den wir für sein
Helfen loben und preisen.
Das wollen wir mit dem Ps 150 tun:
Halleluja!
Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn im Himmelsgewölbe, das seine große Macht zeigt!
Lobt ihn für seine gewaltigen Taten, lobt ihn, denn seine Größe ist unermesslich!
Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!
Anfangsgebet
Barmherziger Herr Jesu,
aus liebevollem Erbarmen hast du uns einst gerufen und zu dir gezogen.
Gerne hören wir deine Worte und genauso gerne lernen von dir.
Aus Liebe - lehrst du uns Liebe. Und deine Liebe überwindet unser Misstrauen.
Du bist uns Beispiel für diese Liebe.
Durch dich haben wir gelernt, die Welt mit liebenden Augen zu sehen.
Wer dich kennt, kennt auch deine wohltuende Barmherzigkeit.
Deine Liebe zeigt sich besonders in deinem Sterben für unsere Sünden,
mit dem du uns Vergebung ermöglichst
und uns wieder mit dem Vater im Himmel verbindest.
Doch, viele Menschen kennen dich noch nicht oder - wollen dich nicht
kennenlernen.
Sie sind geistlich unwissend, dir gegenüber gleichgültig oder
sie wollen lieber frei sein und selbst über ihr Leben bestimmen.
Doch diese freie Selbstbestimmung endet meist in Abhängigkeit,
in Abhängigkeit von Menschen und Mächten, von Dingen und Besitz
oder - von eigenen Bedürfnissen und Leidenschaften.
Sie leben in Unsicherheit und Schutzlosigkeit, in Mangel und Schuld jeder Art.
Sie verlassen sich lieber auf ihr eigenes Können und Wissen –
und auf Vergängliches in dieser Welt.
Herr, das treibt uns um.
Es schmerzt, wenn wir sehen, wie diese Menschen leiden oder blind in ihr Unglück laufen.
Es erschüttert uns, dass die Richtung ihres Lebens immer weiter von dir wegführt und dass
sie immer tiefer in selbstverursachtes Unheil hineinrutschen.
Es belastet uns, wie sie dein Rufen ignorieren und deine helfende Hand zurückweisen.
Herr, eine heilige, antreibende Unzufriedenheit ergreift uns aus mitmenschlicher Liebe.
Und wir empfinden Pein und Ohnmacht, ihnen in ihrer Verblendung nicht helfen zu können.
Du hast dich in solchen Situationen immer wieder zum Gebet zurückgezogen und hast
Rat und Hilfe bei deinem und unserem Vater im Himmel gesucht.
Und, du hast uns immer wieder zum Beten ermutigt, ja sogar
die Erfüllung unserer Bitten zugesagt.
Danke dafür. Darauf wollen wir uns immer wieder besinnen und im Beten
die Verbindung mit dir und dem Vater festigen.
Danke auch für das Gebet, das du uns gelehrt hast,
uns, zum Halt und zur Orientierung
und anderen, zu wohltuender Geborgenheit und innerem Frieden.
Wir bitten und beten heute inständig dafür,
dass auch die noch Gottfernen zu dir und zum Gebet finden
und, dass der gnädige Vater sich auch ihrer erbarmt
und sie kraftvoll und wundersam zu sich zieht.
Wir bauen auf deine feste Zusage:
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an,
so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht,
der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Mt 7,7-8)
Amen.
Input
Als Christen wissen wir: Gott ist der Lenker alles Geschehens und damit auch
der, über unser Leben. Ihn, vor dem eigenen Planen, Wollen und Tun,
im Beten einzubeziehen, ist klug und weise.
Jesus sagt uns in Joh 15,5: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich
könnt ihr nichts tun.
Was ist Beten?
Beten, wendet sich in allen Lebenslagen an Gott.
Beten ist anerkennen, dass wir nicht alles selbst können oder ‚im Griff‘ haben.
Beten ist, den allmächtigen Gott um Hilfe und Beistand zu bitten.
Beten ist, sich für diesen Gott Zeit zu nehmen.
Im Beten kommt dieser Gott uns freudig entgegen.
Und Beten ist auch eine Antwort auf die, von Gott erwiesene Hilfe.
Beten ist anbeten, ist danken, ist bitten für andere und für sich selbst,
ist klagen und Sorgen loswerden, ist Beistand suchen, ist Freude und Leid mitteilen,
ist auch Gott für sein Geben zu loben und preisen.
Beten ist, Gott in sein Leben einzubeziehen und sich von ihm leiten zu lassen.
Beten, erkennt Gott an und - Beten verbindet mit Gott.
Beten ist Glaube, denn Beten ist Reden mit dem unsichtbaren Gott.
Beten ist somit Gottvertrauen, sich Gott anvertrauen und, Gott alles zutrauen.
Beten, ist immer auch Vertrauen auf Gebetserhörung.
Beten ist ein spontanes, ehrliches und aufrichtiges ‚Sich Gott mitteilen und auf ihn hören‘.
Beten ist gelebte Gottesbeziehung und Liebesbeweis.
Beten ist auch, sich immer wieder Gott unterstellen und sich neu zu ihm bekennen (Jer 36,7).
Und wenn uns etwas ganz besonders am Herzen liegt, dann Beten wir dafür ohne Unterlass.
Beten für andere, ist handelnde Nächstenliebe,
ist Gemeinschaft bildend, ist wohltuende Beziehungspflege.
Beten ist Zwiesprache mit Gott.
- Beim Beten öffnet man sich für Gott. Die Gedanken werden ganz auf ihn konzentriert.
- Im Beten und Bitten wird Gottes Wille mit dem des Menschen zusammengebracht.
- Gottes Antworten sind manchmal ein Ereignis, manchmal nur Schweigen.
Manche erhält man Antwort, indem man sich an eine Bibelstelle ‚erinnert‘. - Gott hört jedes Gebet und erhört es auf seine Weise.
Nach Paulus ist Beten, sich an Jesus Christus auszurichten. Kol 1,16)
Was geschieht beim Beten?
Beim Beten öffnen wir Gott die Tür. Es ist unsere Einladung an ihn, in unser Leben
zu kommen und uns zu begleiten.
Wir beten und bitten: Dringlich, beharrlich, anhaltend, anflehend, erweichend, klagend,
Schuld bekennend, bereuend, trauernd, anbetend, bewundernd, Freude bekundend
und Gott preisend. (Röm 11,33-36)
Und, wir harren aufmerksam und geduldig und hoffend und vertrauend auf sein gütiges
Antworten. Das macht uns zu Optimisten, erwartungsfroh wie Kinder. Das vertieft die
Beziehung zu ihm.
Beim Beten ist man ehrlich mit sich selbst, prüft sich, reflektiert eigenes Tun und Verhalten,
misst es an Gottes Wort und erkennt dabei eigene Mängel und Stärken, denn:
Nur wer seine Urteilsfähigkeit am Wort Gottes geschult hat,
kann auch zwischen Gut und Böse unterscheiden. (Nach Hebr 5,14)
Beim Beten erkennt man die eigene Mitverantwortung für das Geschehen.
Und oft schon ordnen sich beim betenden Formulieren die Gefühle, Gedanken und
Sichtweisen. Es geschieht Klärung, die zu Erkenntnis führt.
Beten und erfolgte Gebetserhörung motivieren unser Hoffen und verstärken unseren
Glauben wie auch unser Gottvertrauen und unsere Zuversicht.
Das mobilisiert in uns verborgene Kräfte, z.B. Durchhaltekraft, Ausdruckskraft, Geisteskraft,
Gestaltungskraft, Selbstheilungskraft, Lebenskraft, Schaffenskraft, Spannkraft, Tatkraft,
oder Widerstandskraft, auch die Liebesfähigkeit, Geduld und Treue.
Glaubendes Beten ist auch Selbsthygiene, Beichten und Seelsorge.
Es reinigt, ermutigt und erbaut, es gibt Halt und Sicherheit, Hoffnung und Zuversicht, es ist
heilsam und vieles mehr.
Beim Beten offenbaren wir Gott auch unsere Unzufriedenheit,
z.B. mit dem weltlichem Geschehen oder mit inneren Spannungen
oder mit der eigenen Hilflosigkeit und Ohnmacht.
Dann bitten wir Gott um Kraft und Weisheit, darum, das zu tun, was wir tun können,
und darum, dass er all das tut, was uns überfordert.
Wie geht beten?
Jedes ‚Sich an Gott wenden‘ ist Beten.
Jeder kann so beten, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist“.
Gott hört und versteht alle, denn er sieht ins Herz und erkennt.
Und wenn wir einmal nicht wissen, wie wir beten sollen,
dann machen wir das vorgegebene ‚Vater unser‘ zu unserem Gebet, damit werde,
was Gottes Wort verspricht:
„Der Herr ist denen nahe, die zu ihm beten und es ehrlich meinen.“ (Ps 145,18)
Und es verspricht auch:
´Wer an Jesus glaubt`, kann sich voll Zuversicht an Gott wenden; denn wenn wir ihn
um etwas bitten, was seinem Willen entspricht, erhört er uns.
Und weil wir wissen, dass er unsere Bitten erhört, können wir sicher sein, dass er uns
das Erbetene gibt – so sicher, als hätten wir es bereits bekommen. (1.Joh 5,14-15; NGÜ)
Amen.
Das Vater unser
Wer über Beten spricht, muss auch vom ‚Vater unser‘ sprechen, von dem Gebet,
das Jesus uns in Mt 6 als Basisgebet und Gebetsmuster gegeben hat.
Es hat eine einfache Struktur: In ihm
- wird Gott gezielt angesprochen.
- wird Gott als alleiniger Herr anerkannt und angebetet.
- werden Gott unsere Bitten, auf Erfüllung hoffend, vorgetragen.
- wird seine Kraft und Macht und Gnade gepriesen.
Das alles bekräftigen wir mit dem Amen, das nicht nur ‚So soll es sein‘ bedeutet,
sondern mehr noch: Ich mache mich fest in dir! Ich verankere mein Sein und Werden in dir!
Ich hoffe und baue auf dich! Ich richte mich ganz an dir Gott aus.
Fürbittgebet
in Bezug auf noch gottferne Menschen:
Vater unser im Himmel,
Du bist unser aller Vater,
auch deren, die dich noch nicht kennen oder die dich ablehnen.
Für sie wollen wir beten und bitten.
Ihnen wollen wir dieses Gebet weitergeben.
Geheiligt werde dein Name.
Natürlich von uns Christen,
aber zukünftig auch von denen, die dir noch ferne stehen.
Ihnen wollen wir dem erzählen, was du an uns gewirkt hast,
damit auch sie beginnen, dich zu suchen.
Dein Reich komme.
Es komme in die Herzen und Gedanken der noch Gottlosen,
damit auch sie aufgenommen werden in deine Familie,
in deinen Schutz und in deine Obhut.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Wie in unserem Leben, so auch in ihrem Leben.
Wie in unseren Köpfen, so auch in Ihren Köpfen.
Wie in unseren Herzen, so auch in ihren Herzen.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
dein Brot, als Nahrung für den Körper.
dein Brot, als Worte zur geistlichen Erbauung.
dein Brot als Symbol für den Leib Christi, hingegeben uns zur Vergebung.
Und vergib uns unsere Schuld,
beten dann die Uns, die wir dir noch fern sind,
uns, die wir dir noch nicht ganz vertrauen,
uns, die wir gedankenlos und gleichgültig sind,
manchmal auch selbstherrlich, stolz und überheblich.
Vergebe uns, nur auf uns selbst zu bauen
und unser eigener Herr sein zu wollen.
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Schenke uns die Erkenntnis, auch schuldig zu sein.
Und unterstütze uns dabei, denen zu vergeben,
die uns vernachlässigt oder verletzt haben,
damit wir Frieden finden.
Und führe uns nicht in Versuchung,
Lasse uns nicht erneut Verlockungen erliegen,
die uns Freiheit und Freude versprechen,
die uns aber nicht gut tun - und die uns immer tiefer
in den Machtbereich des Bösen ziehen.
sondern erlöse uns von dem Bösen.
der uns wieder gefangen nehmen will,
der uns beherrschen will,
der uns zu übermäßigem Ich-Bezug verleiten will.
Ja, mit der Bitte um Erlösung von dem Bösen
unterstellen wir uns dir und lassen wir uns von dir helfen.
Denn dein ist das Reich
Bisher dachten wir, „Mein ist das Reich! Ich kann machen, was ich will.“
Das war Hochmut. Nun sollst du unser Herr sein.
Denn wir haben erkannt:
Nur du, kannst uns aus unserer Not heraushelfen.
und die Kraft und die Herrlichkeit
Nur du, Gott, stehst über allem
und nur du hast Kraft und die Macht, uns neu zu erschaffen.
Wir brauchen deine Liebe, um auf dich zu hören und zu dir aufzusehen,
und deine Kraft, um bei dir zu bleiben.
in Ewigkeit.
Ja, für immer und ewig, zu allen Zeiten.
So soll es werden und sein - durch Gott.
Amen.
Zwei ergänzende Bibelzitate:
AT - Ps 32,6 - Darum soll jeder, der dir Gott treu ist, zu dir beten. Und er darf
erleben: Selbst, wenn die Not ihn bedrängt wie eine gewaltige Flut – sie wird ihm
nicht schaden können.
NT - Kol 1,9-11 - Deshalb hören wir auch seit dem Tag, an dem wir vom
Evangelium erfahren haben, nicht auf, für euch zu beten. Wir bitten Gott, dass er
euch durch seinen Geist alle nötige Weisheit und Einsicht schenkt, um seinen
Willen in vollem Umfang zu erkennen.
Dann könnt ihr ein Leben führen, durch das der Herr geehrt wird und das ihm
in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande sein, stets das zu tun, was gut und
richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und (ihr) werdet Gott immer
besser kennen lernen.
Er, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört, wird euch mit der ganzen Kraft
ausrüsten, die ihr braucht, um in jeder Situation standhaft und geduldig zu bleiben.

