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Menschliche Schmarotzer‘ Teil 2 - Ausgenutzt werden (Gal 6,1-4)

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Buch: Der Du in mir

 

Haben Sie auch Interesse an

meinem Buch?

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes

Tempel seid und der Geist

Gottes in euch wohnt?

(1.Kor 3,16)

In einem abenteuerlichen

Traum erkunde ich mein

Inneres auf der Suche nach

Gott und finde ihn tief in mir.


Der DU in mir

Laudatio Verlag,

Frankfurt am Main

ISBN 9783946590798



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Menschliche Schmarotzer - Teil 2 - Ausgenutzt werden   (Gal 6,1-4)

 

Hallo Du,

müsste die Überschrift nicht anders lauten, z.B.: ‚Ich werde ausgenutzt!‘ oder ‚Ich

fürchte, ich werde ausgenutzt.‘ oder ‚Hilfe! Ich weiß nicht weiter‘. Vielleicht aber auch

als Frage: ‚Werde ich ausgenutzt?‘ oder ‚Warum kann man mich ausnutzen? ‘oder spitz

formuliert: ‚Wird meine Liebe/Gutmütigkeit missbraucht?‘.

 

Im Jahr 2004 schrieb ich einen Beitrag über ‚Menschliche Schmarotzer‘. Was ich

damals nicht ahnen konnte war, dass es so viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen

gibt, die darunter leiden und die damit nur schwer zurechtkommen, denn seitdem

wurde dieser Text über 10.000-mal angeklickt! Das ist ein guter Grund, diese

Problematik noch einmal genauer zu betrachten.

 

Als Einstieg stelle ich folgende Fragen:

Wie kommst du zu deinem Verdacht, zu dieser Feststellung, zu dieser Einschätzung?

Was lässt dich das vermuten? Was regt dich dabei auf?

Darf man so etwas als Christ/Christin überhaupt denken, fragen, empfinden?

Was stimmt nicht mit den Ausnutzern und mit mir? - Gehen wir es an:

 

1. Liebe und Nächstenliebe

In 1. Kor 13, 4-7; beschreibt Paulus die Liebe Gottes/Jesu und macht uns deren Größe

und Wichtigkeit bewusst, ja, er bezieht sie sogar auf sein und aller Einstellung und

Verhalten:

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie

ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil,

sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht,

wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie,

in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. (NGÜ)

Wenn wir das Wort ‚Liebe‘ durch ‚Jesus‘ bzw. ‚Gott‘ ersetzen, dann verstehen wir auch

den letzten Satz, der uns Menschen so schwerfällt: Alles erträgt sie, in jeder Lage

glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die können das!

In Phil 1,9 schreibt Paulus sehr realistisch: Und das ist meine Bitte an Gott: dass er eure

Liebe, verbunden mit der rechten Erkenntnis und dem nötigen Einfühlungsvermögen,

immer größer werden lässt. (NGÜ)

Er weiß: Die meisten Menschen haben diese Gottesliebe noch nicht. Sie sind noch zu

sehr dem ‚normalen‘, weltlichen, selbstbezogenen Denken und Verhalten verhaftet.

Und er weiß auch, dass es ihnen schwerfällt, dass es unmöglich ist, dieses Idealbild von

Liebe aus eigener Kraft zu erreichen und zu leben. Deswegen bittet er Gott, dass der

‚nach und nach‘, durch Einsicht und mit der Hilfe des Heiligen Geistes, das in ihm/uns

bewirkt. Möglich ist das aber nur, wenn wir das auch wollen und zulassen; nur, wenn

wir die vielfältige Liebe Gottes und die seines Sohnes selbst erlebt haben und uns

davon gerne ändern lassen. Dieses immer größer werden bedeutet, dass wir uns

irgendwo zwischen 0 und 100 befinden, dass wir noch manches zu lernen und zu

verstehen haben, dass unsere Nächstenliebe noch Grenzen hat, dass uns große

Herausforderungen noch überfordern.

Für einen, der zu wenig Liebe bekam, kann schon ein bisschen gegebene Liebe schon

viel Liebe sein. Gott weiß das! Er liebt uns trotzdem.

 

1.Joh 4,16: Und ´noch etwas gibt uns die Gewissheit, mit Gott verbunden zu sein`:

Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und haben dieser Liebe unser ganzes Vertrauen

geschenkt. Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe bestimmen lässt, lebt in Gott, und

Gott lebt in ihm. (NGÜ)

 

2. Leben in einer Gemeinschaft

Jede Gemeinschaft lebt und wird erhalten durch gegenseitige Verbundenheit, durch

gegenseitigen Respekt und durch gegenseitige Unterstützung, durch gemeinsames

Handeln fürs gleiche, übergeordnete Ziel. Oberstes Ziel ist das Wohl und die

Weiterentwicklung jedes Einzelnen zum Wohl aller. Dazu bringt jedes Mitglied seine

ganz persönlichen Fähigkeiten zum Nutzen der Gruppe aktiv ein. Jeder muss/darf/soll

dabei mithelfen. Jeder hat in der Gruppe seine Pflichten und Mitverantwortung für die

Anderen. Wer dagegen verstößt, stellt sich gegen die Gruppe und deren Werte und

Ziele und schließt sich damit selbst aus.

Jegliche Form von destruktivem Egoismus, von selbstgezogener Trägheit, von

Bequemlichkeit oder Faulheit geht zu Lasten von Anderen und darf nicht geduldet

werden.

Auf Kinder bezogen, ist das ja noch verständlich. Kindliches Verhalten lotet Grenzen

aus. Werden ihnen keine Grenzen gesetzt, entwickeln sich kleine Despoten.

Auf Erwachsene bezogen, ist das jedoch fatal.

 

3. Erziehung mit Liebe, Verständnis und Nachsicht, aber auch mit Konsequenz

Der Mensch hat keine angeborene Lebenstüchtigkeit. Als Kind ist er weitgehend hilflos.

Durch Lernen findet er sich in die jeweils gegebene Lebenssituation ein. Das sorgt für

sein Überleben. Dazu braucht er zunächst die elterliche Erziehung, deren Liebe,

Fürsorge und Führung, deren Lebenserfahrung und Lebensweisheit. Die gibt ihnen

Wegweisung, Halt und Orientierung. Die geben ihnen Sicherheit, ein Lebensfundament

und Überlebensfähigkeit. Keine Erziehung wäre grausam, wäre gleichgültige

Lieblosigkeit, ließe im Unklaren und in Unsicherheit, bedeutete lebenslang

Schwierigkeiten durch unangemessenes, überzogenes oder verunsichertes Denken,

Verhalten und Handeln, erzeugt zu kurz gekommene und ausnutzende Menschen.

 

Eltern haben, wie jeder andere auch, eine individuelle Lebenssicht, die aus ihrer

eigenen Erziehung und ihren Erlebnissen entsteht. Sie muss nicht richtig sein.

Deswegen nehmen auch noch andere Menschen Einfluss auf die Erziehung, z.B. im

erweiterten Familienkreis, im Kindergarten, in der Schule, bei der Arbeit oder im

Freundeskreis. Immer sollte Erziehung mit Wohlwollen und Zuneigung, mit

Anerkennung, Wertschätzung, Respekt und Lebensmut verbunden sein.

 

Erziehung hat ein Ziel. Dieses Ziel ist der mündige, lernbereite, verantwortungs-

bewusste, anständige und lebensbewältigende Mensch. Erziehung soll dem Menschen

förderlich sein und in ihm Gutes bewirken. Deswegen geht sie auf seine individuellen

Gegebenheiten ein, zeigt ihm seine Möglichkeiten auf, fördert dessen Begabungen,

setzt ihm aber auch Grenzen in gefährlichen Bereichen, z.B. bei ungezügelten Wollen,

bei überstarker Selbstbezogenheit und bei jeglichem unsozialem Verhalten (z.B. bei

Ungehorsam, Lüge, Täuschung, Betrug, Unbeherrschtheit, Gewalt oder Rücksichts-

losigkeit). In allen Bereichen, die für seine spätere soziale Akzeptanz und Eingliederung

in die Gesellschaft, in eine Gemeinschaft wichtig sind. Gerade die Anerkennung von

Autorität und von gemeinnützigen Regeln und Gesetzen sind hier zu nennen.

 Anerkennung, Lob und Bestätigung, wie auch Tadel oder Strafe sind Hilfsmittel, das

erwünschte Erziehungsziel zu erreichen. Sie wirken aber nur bei angemessener,

einfühlsamer und wohldosierter Anwendung, ansonsten führen sie evtl. zu Widerstand

oder gar Rebellion.

 

Erziehung ist nicht immer leicht und deswegen oft auch unbequem. Der unerfahrene

und hartnäckige Wille von kleinen und großen Kindern (und auch von unreifen

Erwachsenen) kann ganz schön nerven. Bei Kindern gehört er zum Lernspiel. Er lotet

die gesetzten Grenzen aus und überschreitet sie auch mal gerne, um deren Wichtigkeit

und Sinnhaftigkeit zu prüfen und die Folgen und eigenen Möglichkeiten auszutesten.

Konflikte mit anderen gehören dazu, denn in diesen Situationen ist der Lerneffekt am

Größten.

Die Konflikte sind jedoch geringer, je früher man liebevoll-konsequent erzieht. Doch

manche Eltern möchten sie, nervensparend, lieber vermeiden, vielleicht aus

falschverstandener Liberalität, aus Bequemlichkeit, aus Verdruss, aus Überforderung

oder aus Zeitmangel. Wie auch immer, die Spätfolgen sind für viele fatal. Ist das

wollende, ichbezogene Auslotspiel immer mal wieder erfolgreich, dann verfestigt es

sich als erfolgreiche Methode. Jedes weiter ‚Bekommen-Wollen‘ wird dann ganz

bewusst durch hartnäckiges und nervendes, mehr oder weniger aggressives Erwarten,

Bitten, Betteln oder Fordern begleitet, evtl. verfeinert durch Scheinversprechen,

Schmeicheleien oder durch ständiges Maulen, Nörgeln oder Schmollen. Der Bekomm-

Kampf wird immer dreister. Die Kinder bzw. Jugendlichen werden immer raffinierter.

Die Beziehung zueinander immer zerrütteter, verkrampfter und unhaltbarer.

 

Weshalb sollten Kinder solche Erfolgserlebnisse dann später als Erwachsene aufgeben?

Sie denken sich: ‚Es lebt sich doch schön bequem auf Kosten von anderen und die sind

ja selbst daran schuld, wenn sie nachgeben und auf meine ‚Versuche‘ reinfallen‘. Und

vielleicht auch: ‚Vor solchen Menschen habe ich keine Achtung. Mit mir lasse ich so

etwas nie machen.‘

Das bedeutet leider aber auch, dass Ausnutzer, Schmarotzer, immer Menschen suchen

und finden, die sich ausnutzen lassen. Sei es aus deren Liebe, Gutmütigkeit, Schwäche,

Dummheit oder Sonstigem.

 

Erziehung hat viel mit Vertrautheit und gegenseitigem Vertrauen zu tun. Hat man viel

Zeit mit dem Anderen verbracht und ihn dabei schätzen und achten gelernt? Fragen

wir uns nicht auch: Vom wem lasse ich mir sagen lassen, was für mich richtig oder

falsch ist? Was für mich unbequem ist? Mag ich den überhaupt? Wie geht denn der

mit mir um? Mag der mich? Schätzt der mich? Bin ich ihm wichtig? Geht der auf mich

ein? Will der mich zu etwas bringen/zwingen, was der will, ich aber vielleicht nicht

möchte oder meint er es gut mit mir, erklärt und begründet seine Vorschläge?

 

Zwang führt immer zu Widerstand und vernichtet Vertrauen. Zwang ist kontra-

produktiv. Verständnisvolles Gespräch, verbunden mit Erklärungen dagegen,

beinhalten Würdigung, Mitmenschlichkeit, Verständnis und Einsicht, auch Liebe,

Vertrauen und Zuwendung.

Konsequent und streng zu sein bedeutet nicht, hart und/oder herzlos zu sein,

sondern nur: In bestimmten, wichtigen und folgenschweren Bereichen keine

Ausnahme zu dulden, bestimmt zu bleiben und nicht nachzugeben. Es bedeutet,

jemanden verantwortungsbewusst zu führen und zu bewahren. Es bedeutet nicht,

den Willen des Anderen zu brechen, um es dann leichter mit ihm zu haben.

 

Dazu einige Bibelzitate nach der Bibelübersetzung ‚Hoffnung für alle‘:

  • Ein Kind steckt voller Dummheiten, aber eine strenge Erziehung treibt sie ihm aus.

       (Spr 22,15)

  • Denn was du durch ihre Erziehung lernst, verleiht dir Würde und Anerkennung, ja,

    es schmückt dich wie eine schöne Halskette oder ein prächtiger Kranz. (Spr 1,9)

  • Denn die Erziehung deiner Eltern ist wie ein Licht, das dir den richtigen Weg weist;

  • ihre Ermahnungen eröffnen dir den Zugang zu einem erfüllten Leben. (Spr 6,23)

  • Wer seinem Kind jede Strafe erspart, der tut ihm damit keinen Gefallen.

    Wer sein
    Kind liebt, der erzieht es von klein auf mit Strenge. (Spr 13,24)

  • Erziehe deine Kinder mit Strenge, denn so kannst du Hoffnung für sie haben; lass sie

    nicht in ihr Verderben laufen! (Spr 19,18)

  • Erziehe dein Kind mit Strenge! Dann wird es dir viel Freude machen. (Spr 29,17)

         (Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Konsequente Erziehung‘, Juli 2020)

 

4. Was akzeptiere ich als Erwachsener, als Elternteil oder Partner/in?

Kinder sind auf ihre Eltern angewiesen. Sie brauchen sie. Deswegen akzeptieren sie

Vieles, auch manches, was ihnen auf Dauer nicht Guttut.

Aber was akzeptiere ich als Erwachsene/r von anderen und warum? Weshalb

akzeptiere ich etwas? Was sind meine Stärken bzw. meine Schwachpunkte?

Wieviel bin ich bereit hinzunehmen? Was zu geben, um etwas zurückzubekommen,

vielleicht ‚Gebraucht werden‘, ‚Geliebt werden‘ oder ‚Anerkannt werden‘?

Ist es liebevoll und gesund, immer wieder die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren, sich

nicht zu behaupten und sich immer wieder entwürdigen und entkräften zu lassen?
 

Die Bibel sagt: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘

(Mt 19,19; 3.Mose 19,18; L)

Sie geht davon aus, dass wir uns selbst lieben, also für unser Wohlergehen sorgen, uns

gesund, ausgeglichen und bei Kräften halten, um auch andere zu lieben, wie wir uns

selbst lieben.

Und ‚lieben‘ bedeutet, innige Zuneigung zu jemandem zu haben, ihn zu trotz

Widrigkeiten zu mögen, ihm zu vertrauen, für ihn da zu sein! Wie soll das in einem

zerrütteten Verhältnis möglich sein?

Wie kann das Gelingen, wenn man Schlechtes vom Anderen denkt und ihn innerlich

oder offen kritisiert oder gar ablehnt? Oder, wie soll ‚lieben‘ gelingen, wenn man sich

selbst nicht liebt, vielleicht echte Liebe nicht kennt, weil nie bekommen hat?

Richten wir unser Denken und Fragen doch nicht nur auf die vermeintlichen

Bösewichte, sondern auch mal auf uns selbst. (Au). Was habe ich dazu beigetragen,

falsch gemacht, dass es zu meinem ‚Ausgenutzt worden sein‘ überhaupt kommen

konnte?

Suchen wir dabei nicht nach Schuld, sondern nach den Ursachen. Die Suche

dient nicht dazu, uns zu geißeln, sondern die eigenen Schwächen zu überwinden

und stark zu werden.

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Akzeptiere oder Ändere!‘, August 2020)

 

5. Empfinden, Denken, Tun.

Die Bibel berichtet in 2.Samuel 11,2-4; HfA:

Eines frühen Abends stand [König] David auf, nachdem er sich eine Weile ausgeruht

hatte, und ging auf dem flachen Dach seines Palasts spazieren. Da fiel sein Blick auf

eine [verheiratete] Frau, die im Hof eines Nachbarhauses ein Bad nahm. Sie war sehr

schön. David wollte unbedingt wissen, wer sie war, und schickte einen Diener los, der

es herausfinden sollte. … David sandte [dann] Boten zu ihr und ließ sie holen. Batseba

kam, und er schlief mit ihr.

 

König David bekam in einem schwachen Moment einen starken Reiz/Anreiz von außen,

der in ihm arbeitete, der ihn begehren ließ, der seine Gedanken beherrschte und sein

Wollen auf Handeln und Tun und Erleben ausrichtete. Er wollte diese schöne und

anmutige und begehrenswerte Frau unbedingt haben und ließ sie kommen.

Dem König konnte sie nicht absagen. Sich auch nicht seinem Begehren verschließen.

Sie ließ sich auf ihn ein und das hatte Folgen. Sie wurde schwanger. Und sein Begehren

nach ihr wurde größer und größer und schließlich sorgte er dafür, dass ihr Mann, das

Hindernis, im Krieg umkam.

 

So ist das mit den Reizen, wenn sie auf innere Bereitschaft treffen. Wir lassen sie gern

zu und beschäftigen uns mit ihnen. Immer wieder denken über sie nach und malen uns

vielleicht aus, welche angenehmen Gefühle, schöne Erlebnisse oder befriedigende

Erfüllung wir bekommen können. Der Reiz formt die Gedanken und fokussiert sie.

Die Gedanken manifestieren sich zum unbedingten Wollen und das Wollen bewirkt

dann das Tun, das Verwirklichen.

In Mt 5,27 sagt Jesus, vielleicht auch in Bezug auf David: Wer eine Frau ansieht, sie zu

begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

Das bedeutet im Klartext: Nicht nur das Tun, sondern bereits ein schlechtes Denken, ist

Sünde.

 

Im Einstieg in diesen Beitrag hatte ich hinterfragt:

Darf man als Christ/Christin überhaupt denken: „Ich werde ausgenutzt!“ Liegt darin

nicht schon der Keim von Aufregung, Wut, Eskalation und Ablehnung in der

Beziehung?

Die Gefahr besteht, besonders, wenn dieser Gedanke überstark und beherrschend

wird. Die Gefahr besteht jedoch nicht, wenn der Gedanke nur eine Ahnung ist, die

durch sachliche Prüfung geklärt werden kann, die als bestätigt oder als ‚undenkbar‘

erledigt wird.

 

Wir sollten wissen: Alle Reize, Impulse, Erlebnisse von außen, wollen in uns ein Echo

im Fühlen und Denken auslösen und unser weiteres Handeln beeinflussen. Es kommt

darauf an, mit welcher Bereitschaft wir diese Einflüsse zulassen, ihnen Raum geben

und sie damit in uns verankern. Die Reize sind wichtig und müssen, dürfen und sollen

sein. Es kommt darauf an, wie wir damit umgehen, welche wir uns reizen lassen,

berühren lassen, welche unser Leben und unser Wesen und unsere Persönlichkeit

bestimmen dürfen.

 

(Siehe dazu u.a. die Beiträge: ‚Achte auf deine Gedanken und Gefühle‘ (Juni 2009)

  und ‚Jede Sinneswahrnehmung hat ein inneres Echo!‘, Januar 2020)

 

6. Menschen ändern sich durch Erleben zum Schlechten oder zum Guten

Im Laufe des Lebens gibt es immer wieder einschneidende Vorkommnisse, Erlebnisse,

die in eine Krise führen, die das bisherige Sein, Fühlen, Denken und Handeln in Frage

stellen, die eine persönliche Veränderung notwendig machen, die verändern und ein

‚So weiter!‘ nicht mehr zulassen.

Aber auch schöne, ermutigende, bestätigende und Hoffnung machende Erlebnisse

verändern. Davon möchte man mehr haben. Dafür sucht man ähnliche Situationen und

Menschen. Dafür ist man bereit, Neues auf sich einwirken zu lassen und Kräfte zu

investieren.

Ein geliebter Mensch kann also ins Negative abrutschen oder im Positiven wachsen.

Das kann aber auch ein ungeliebter Mensch. Er kann interessant, liebevoll und ehren-

wert werden, wenn er die Kurve kriegt, wenn er aus dem Schleudern kommt, wenn er

wieder Halt und Sicherheit findet.

Es kommt halt darauf an, ob man sich verändern will und Neues zulässt und erprobt

oder ob man verunsichert, enttäuscht, und verbittert zurückblickt und in seiner Krise

verharrt oder verharren möchte. Wut, Zorn, Selbstmitleid und Vorwürfe sind schlechte

Ratgeber. Sie verstärken den Schmerz und verlängern die Krise. Hoffendes ‚Nach vorn

blicken‘, den eigenen Acker pflügen und neue Saat säen, das hilft und heilt, das

erneuert. Uns wird, wohin, worauf, wir sehen! Diese Weisheit ist uralt.

Jesus sagt in Lk 9,62; NGÜ:

»Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das

Reich Gottes.«, also für die erfolgreiche Zukunft.

Und in 1.Mo 19,26 ist der Blick nicht nur auf den neuen Lebensweg vorn gerichtet,

sondern auch zurück. ‚Lots Frau drehte sich auf der Flucht [aus dem Elend] um und

schaute zurück. Sofort erstarrte sie zu einer Salzsäule‘.

 

Ja, bei einem Neuanfang kennt man nicht das Wie und das Wohin und auch nicht, ob

er gut werden wird. Das kann man auch nicht wissen. Wichtig ist allein, es zu tun.

Das Weitere findet sich dann. Es gibt immer eine neue Chance. Ein neues Leben.

Für jeden. Durch ein ‚Sich bewegen‘. Durch ein ‚Sich überwinden‘. Nicht im alten Trott,

im Gewohnten, Bequemen, sondern im aufmerksamen Dazulernen, im aktiven

Erkunden, im Suchen und Finden und Prüfen. Entweder man handelt dabei nach dem

mühsamen Prinzip von ‚Versuch und Irrtum‘, das bedeutet, so lange zu suchen und

auszuprobieren, bis man das ‚Richtige‘ gefunden hat oder, man lässt sich von

vertrauenswürdigen und lebenserfahrenen Menschen beraten oder, man versucht es

auf einem vielfach erprobten und bewährten Weg, beispielsweise dem Glaubensweg.

 

7. Gott liebt den Sünder, aber nicht seine Sünden

Wie also sollten wir mit Schmarotzern und Ausnutzern umgehen?

1. Wir prüfen unseren Verdacht und uns selbst.

2. Wir sprechen mit dem/den Betroffenen darüber und schildern auch unser

             Empfinden und unseren Schmerz.

3. Wir vereinbaren einvernehmlich eine neue, gerechte Aufgabenverteilung, klären

    deren Gewichtung und die Verantwortlichkeit dafür. Helfen einander, die Lasten zu

    tragen!

4. Wöchentlich tauschen wir uns sachlich und vorwurfsfrei über deren Einhaltung aus.

5. Bei Erfolg freuen wir uns über das erneute Zusammenwachsen und unternehmen

        etwas Schönes.

6. Bei Misserfolg suchen beide Seiten nochmal eine neue Chance.

7. Dauerhaftes Nichteinhalten von Aufgaben muss, zur allseitigen Gesundung,

    Konsequenzen haben. Die sind anzukündigen und bei Bedarf auch vollzogen werden.

    Erst leichte, dann schwerere.

8. Und wenn auch die Konsequenzen nicht wirken, bedeutet das: Ein ‚Sich nicht um

    Einigung bemühen‘, heißt nicht wollen! Dann kann es kein ‚Weiterso‘ geben. Es gilt

    also für jeden Beteiligten, neue eigene Wege zu finden. Ein Sünder, der seine Sünde

    beibehalten will, ist für sein weiteres Schicksal selbst verantwortlich. Auch Gott lässt

    Menschen eigene Wege zu, in der Hoffnung, dass sie auf ihren Umwegen zu ihm

    finden.

9. Danach gilt, trotz Schmerz: Vorwärtsgehen und sich nicht mehr umdrehen. Und, die

    gleichen Fehler nicht mehr zu wiederholen.

 

Tragt die Lasten gemeinsam! Brüder und Schwestern, wenn sich einer von euch zu

einer Verfehlung hinreißen lässt, sollt ihr, die ihr von Gottes Geist geleitet werdet, ihn

liebevoll wieder zurechtbringen. Seht aber zu, dass ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt.

Jeder soll dem anderen helfen, seine Last zu tragen. Auf diese Weise erfüllt ihr das

Gesetz, das Christus uns gegeben hat.  Wer sich jedoch einbildet, besser zu sein als die

anderen, der betrügt sich selbst.  Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird

er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit

haben. (Gal 6,1-4; HfA)

 

Zu seinem Dienst für Gott sagte Jesaja:

Ich aber dachte: »Vergeblich habe ich mich abgemüht, für nichts und wieder nichts

meine Kraft vergeudet. Dennoch weiß ich, dass der HERR für mein Recht sorgt,

von ihm, meinem Gott, erhalte ich meinen Lohn. (Jes 49,4; HfA)

 

 

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Menschliche Schmarotzer‘ Teil 1 (2004)

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Konsequente Erziehung‘, Juli 2020)

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Akzeptiere oder Ändere!‘, August 2020)

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚Achte auf deine Gedanken und Gefühle‘ (Juni 2009)

(Siehe dazu auch den Beitrag:

‚Jede Sinneswahrnehmung hat ein inneres Echo!‘ (Januar 2020)