Entfremdet (Lk 15,20)
Was einmal war, das ist nicht mehr.
Wie konnte das nur kommen?
Wer bin ich heut? Wo komm ich her?
Warum ist Schönes zerronnen?
Ein Lichtlein noch im Innern brennt,
das mahnt, „Du, du fehlst mir sehr!“
Entfremdet, fast schon Opponent,
fällt mir die Erinnerung schwer.
Wer ist‘s, von dem ich mich entfernt,
nach dem ich mich nun sehne?
Was habe ich seitdem verlernt?
Vielleicht Seelenhygiene?
Als Fremder steh ich nun vor dir,
mein Gott, mein Herr, mein Leben
und in der Fremde jetzt ich frier,
durch Fehler und falsches Streben.
Ich möchte wieder zu dir kommen,
mich bergen in deinen Armen.
Mit dir erneuern, was entschwommen;
bitte Jesus, hab Erbarmen.
Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater.
Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde
innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals
und küsste ihn. (Lk 15,20)

