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Herrschende und dienende Organisation

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Buch: Der Du in mir

 

Haben Sie auch Interesse an

meinem Buch?

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes

Tempel seid und der Geist

Gottes in euch wohnt?

(1.Kor 3,16)

In einem abenteuerlichen

Traum erkunde ich mein

Inneres auf der Suche nach

Gott und finde ihn tief in mir.


Der DU in mir

Laudatio Verlag,

Frankfurt am Main

ISBN 9783946590798



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Herrschende und dienende Organisation

 

Hallo Du,

wir Menschen sind Gruppenwesen. Wir brauchen die Gruppe, wie eine Antilope ihre Herde.

In der Gruppe finden wir Gemeinschaft, Sicherheit, Unterstützung sowie Entwicklungs- und

Lernmöglichkeiten. In einer Gruppe bekommen wir, was wir brauchen und geben wir, was wir

haben. Sie unterstützt uns, wo wir schwach sind und wir helfen anderen, wo wir stark sind.

In ihr sollten wir uns geborgen fühlen, d.h. angstfrei und vertrauensvoll sein können, also

einen geschützten Raum haben. Und weil wir uns immer wieder gegenseitig brauchen,

sollten wir miteinander anständig, liebevoll und tolerant umgehen und die Würde und das

Lebensrecht des anderen sehr hoch achten.

Jeder hat in der Gruppe und im Leben seinen Platz, der durch seine Reife, seine Fähigkeiten

und Begabungen sowie durch sein Wissen und Können bestimmt wird und nicht durch eine

Aufgabenzu-weisung von anderen. Die Gruppe lebt durch die Aktivität des einzelnen.

Dennoch ist sie nicht nur die Summe ihrer einzelnen Teile, sondern sie ist mehr, wenn jeder

seine überzogene Selbstbezogenheit zum Wohle des Ganzen zurücknimmt und damit Raum

für Gemeinschaft und Austausch schafft. Sie ist auch deswegen mehr, weil viele mehr erreichen

können, als einer alleine. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Gruppe zusammenhält und das

geht nur, wenn jeder gleichberechtigt ist, seine individuelle Aufgabe hat und seine Bedeutung

für das Ganze kennt. Dazu sind ständiger Austausch und Abstimmung nötig.

Diese Aussage wird bestätigt durch die Bibel, in der wir unter 1.Petr 4,10 folgende Aussage finden:

‚Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielen

Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, verwaltet ihr sie richtig.’

 

Je größer die Gruppe, desto vielfältiger werden die Fähigkeiten, Erfahrungen und Gestaltungs-

möglichkeiten und desto größer wird auch die Gefahr der Spaltung. Da das Individuum der

ursächliche Schatz der Gemeinschaft ist, müssen alle Gruppenmitglieder ihre Fähigkeiten ausprägen

und einbringen können. Neue Impulse erweitern den Gruppenhorizont und stärken das Ganze.

Vielfalt stabilisiert, Einfalt schwächt; Offenheit lädt ein, Verschlossenheit wehrt ab.

In größeren und großen Gruppen müssen Erfahrungsaustausch und Abstimmung, Einbeziehung

und Meinungsbildung organisiert werden. Dazu werden die Fähigsten der Gruppe vertrauensvoll

beauftragt. Sie sollen die Gruppe zum gemeinsamen Vorteil bestmöglich leiten. Sie sollen Impulse

und Initiativen aus der Gruppe oder von außen aufgreifen und dazu eine Meinungsbildung bei allen

herbeiführen und darauf achten, dass jeder zu seinem Mitwirkungsrecht kommt. Sie dürfen dabei

keine eigenen Ziele oder Absichten haben. Sie sind Abbild der Bedürfnisse der Gruppenmitglieder

und sie werden in ihrer Aufgabe auch zum Vorbild für kooperatives und selbstloses Verhalten.

Als Regulativ zu ihrer hervor-gehobenen Verantwortung sind sie der Gruppe und den Einzelnen

gegenüber jederzeit Rechenschaft schuldig. So wird die Gruppe zu einer strukturierten Organisation.

 

Die vorangegangene Schilderung ist in Kurzform die Beschreibung für eine ideale Demokratie und

eine Organisation, die den Mitgliedern dient, dafür, wie wir uns Gemeinschaft, Organisation und

Leitung vorstellen und wünschen.

 

Doch leider ist die Wirklichkeit oft meilenweit davon entfernt. Das liegt einerseits an der Vielfalt

und Unübersichtlichkeit großer Gruppen, vor allem aber am Bestreben einzelner, sich in

Führungspositionen persönliche Vorteile zu Lasten anderer zu verschaffen. Sie wollen mehr

verdienen, mehr zu sagen haben oder anerkannter sein als andere.

Die Ausrichtung unserer Gesellschaft in eine wettbewerbsgeprägte Leistungs- und Wissens-

gesellschaft, in der nur die Besten, Klügsten und Raffiniertesten zu den Gewinnern gehören,

unterstützt diese selbstbezogene Tendenz und macht egoistisches Verhalten salonfähig.

Diese Menschen haben eigene Interessen, die sie (bewusst oder unbewusst) heimlich zum

Nachteil anderer verfolgen. Sie wollen erfolgreich und wichtig sein sowie Macht und Einfluss

haben. Ihnen genügt ihre soziale Führungsverantwortung nicht, sondern sie leiten aus ihrem

Dienst eine Berechtigung nach mehr Anerkennung, Verdienst oder Einfluss ab.

Da das aber im Widerspruch zu den Interessen der Gruppe und der Gruppenmitglieder steht,

handeln sie zweigleisig: einerseits geben sie vor, der Gruppe zu dienen, andererseits aber tricksen,

täuschen, verbergen und lügen sie, um die Vorteile von Macht und Einfluss für sich zu nutzen

und zu behalten. Dafür taktieren sie, bilden sie Einflusszirkel, Zweckfreundschaften und Allianzen

und bauen sie sich eine Gefolgschaft aus Menschen mit ähnlichen Interessen auf, denen sie (oft

mit unlauteren Mitteln) ebenfalls Vorteile verschaffen. ‚Teile und herrsche’ ist ihr Motto. Durch

die Abhängigkeitsmechanismen der Beziehungsgeflechte wird die Rechtfertigung gegenüber

der Ursprungsgruppe immer weiter ausgehebelt und Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit

machen sich allmählich breit. Das einzelne Gruppenmitglied kann diese Täuschungen nicht

erkennen oder gar durchschauen. Dafür ist es zu weit weg vom Geschehen und viel zu

vertrauensvoll. Außerdem ist es froh, die für ihn zu komplizierte Aufgabe an andere delegiert

zu haben. Als Gegenleistung für sein Vertrauen erwartet es, weil es selbst es so praktiziert,

Ehrlichkeit und Anstand. Diese aber werden von vielen Führungspersonen mit Dummheit und

Einfältigkeit gleichgesetzt. Für sie gilt eher: ‚Jeder ist sich selbst der Nächste!’

 

Deshalb sagt Jesus in Mt 6,25-28: „Die Könige herrschen über die Völker wie Tyrannen, und die

Machthaber unterdrücken, wen sie können.  Aber gerade so darf es bei euch nicht sein. Wer groß

sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.“

 

In unserem Staat geht es heute immer mehr um die erfolgreiche Durchsetzung von eigenen

Meinungen und Interessen. Dies gilt für Banken, Firmen und Behörden genauso wie für

sonstige Interessensgruppen, Vereine, Zweckverbänden oder Vereinigungen. Die Vorstände

und Leitungen setzen sich hohe Ziele und verpflichten (zwingen) ihre Beschäftigte mit

Zielvereinbarungen, diese Ziele in immer kürzeren Zeitabständen zu erreichen. Ihr persönlicher

Erfolg (und ihr Einkommen) wird an den erreichten Zielen gemessen. Die Mitarbeiter/innen

werden so zu Auftragserfüllern und Erfolgsgehilfen. Eigene Spielräume sind nicht gewollt, ja

sogar kontraproduktiv. Nicht mehr die Bedürfnisse der Verbraucher (und der Beschäftigten)

zählen, sondern vorrangig die eigenen Interessen und die eigene Gewinnmaximierung.

 

Die hohen Ziele sind aber nur zu erreichen, wenn sich alle Mitarbeiter kritiklos und

bedingungslos diesen unterordnen. Über Ziele wird nicht diskutiert, sie werden vorgegeben.

Die vorgegebenen Ziele bestimmen auch die menschlichen Handlungs- und Verhaltensweisen

und richten sie aus. Der angestrebte Erfolg heiligt jedes Mittel und Menschlichkeit wird

ersetzt durch Forderung und Arbeitsverdichtung. Unterdrückung, Angst und Misstrauen

machen sich breit und verderben das Betriebsklima. Die Erfolge stellen sich immer schwerer

ein und die Daumenschrauben werden immer fester angezogen. Der dauerhafte Misserfolg

ist vorprogrammiert. Dies sind herrschende, selbstbezogene Organisationen: Sie missachten

nicht nur das Wohl der eigenen Beschäftigten, sondern vor allem das Allgemeinwohl.

 

Die vorgegebenen Ziele bestimmen auch die Regeln innerhalb der Institution bzw. Organisation

und damit ihren Aufbau, ihre Struktur, ihr Gefüge, ihre innere Gliederung ebenso wie ihre

Mitgliederzusammensetzung und -handlungsweisen.

 

Manche Gruppierungen suchen nur finanzielle Unterstützung, um ihre Ziele zu verfolgen,

andere sind auf Zuarbeit angewiesen und delegieren Teilaufgaben nach unten. Mitgestaltung

und Mitsprache sind dabei nicht gewünscht, Kritik schon gar nicht.

Es geht nicht mehr um Gemeinsamkeit, sondern um Einzelinteressen, die in hierarchischer Form

durchgesetzt werden. Vorgaben, Termine, Bedingungen und Druck manifestieren sich. Willkür,

Ungerechtigkeit, Einschüchterung, Verunsicherung, Misstrauen, Repressalien und Missbrauch

breiten sich aus und zermürben das Personal, entwerten es und machen es zu ausführenden

Marionetten. Wer sich nicht in den vorgegebenen Rahmen einpasst, wird gemobbt, mundtot

gemacht oder ausgeschlossen. Wer nicht mithalten kann, wird versetzt oder ausgemustert.

Nicht mehr das Vertrauen auf den freiwilligen Einsatz für eine gemeinsame Sache zählt

(die gibt es ja auch nicht mehr), sondern Missgunst, Misstrauen, Argwohn, Verdächtigung und

Ausbeutung machen sich breit und vergiften das Arbeits- und Gruppenklima.

 

Jakobus sagt dazu in Jak 3,16: Wo Missgunst und Streit herrschen, da gerät alles in Unordnung;

da wird jeder Gemeinheit Tür und Tor geöffnet.

 

Die Gier von Menschen nach Erfolg, Einfluss und Reichtum hat sich seitdem wohl nicht verändert,

vielleicht ist sie schlimmer geworden.

 

Wie anders ist es doch in einer christlichen Kirchengemeinde! Vor Gott sind alle Menschen gleich.

Nächstenliebe verbindet die Menschen in Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit und Achtung. Liebevoll

gehen sie miteinander um. Sie führen ein vorbildliches Leben und verfolgen unbeirrt nur das eine

Ziel, nämlich Gott zu dienen. ‚Und wer Gott dienen will, sollte sich nun wirklich nicht durch ein

zänkisches Wesen auszeichnen. Er soll allen Menschen freundlich begegnen, ein geduldiger Lehrer

sein, bereit, auch Böses zu ertragen.’ (2.Tim 2,24)

‚Alle Menschen sind lebendige Steine, aus denen Gott sein Haus, die Gemeinde, aufbauen will.

Darin sollen die ihm als seine Jünger dienen, die ihm als Opfer ihr Leben zur Verfügung stellen.’

(1.Petr 2,5)

Welch ein erholsamer Kontrast zum Arbeitsleben! Da möchte man doch gerne in einer Gemeinde

auftanken und dazugehören. Da kann man noch Sinn und Erfüllung finden. Bei Gott ist man wer,

nämlich seine Schöpfung, sein geliebtes und geachtetes Kind.

 

Doch leider, auch hier wirken Menschen und zerstören die guten Möglichkeiten. Sie verstecken

ihre Schwächen hinter frommem Gehabe und Tun, anstatt bekennend die Schwächen Gott hinzu-

halten und ihn darin wirken zu lassen.

Im Umgang mit meinen Schwächen kann ich für andere ein Beispiel sein und durch die Wunden

der Vergangenheit (die jeder und jede hat), kann ich Zusammenhänge verstehen und andere

darin ermutigen und unterstützen. Besonders in meinen Schwächen komme ich aus eigener Kraft

nicht weiter und kann darin viel besser erkennen, wie hilfsbedürftig ich selbst bin und wie barmherzig

und gnädig Gott mir darin ohne mein Zutun, allein aus Gnade, hilft.

 

Den meisten Kirchen geht es schlecht, nicht nur, weil kaum noch jemand hingeht, sondern auch,

weil die Einnahmen zurückgehen, weil Menschen aus den Landeskirchen austreten und keine

Kirchensteuer mehr bezahlen. Sparen ist angesagt, aber auch eine intensive Suche, wie das

fehlende Geld durch Spenden eingetrieben werden kann. Sparprogramme werden erstellt und

Einsparziele gesetzt. Die Spendenbereitschaft wird eingefordert und heilsamer (moralischer) Druck

wird ausgeübt. Neue Gottesdienst- und Organisationsformen sowie neue Finanzierungskonzepte

sollen Versäumtes nachholen und die Menschen und ihr Geld wieder zurück in die Kirchen bringen.

Dazu übernimmt Management- und Werbungsformen der Wirtschaft, weil die darin langjährige

Erfahrung haben. Der Kirchenvorstand übernimmt zwangsläufig und kurzfristig die Aufgaben eines

Konzernvorstandes. Zielvorgaben bestimmen immer stärker das Gemeindeleben. Geistliche Werte

werden durch weltliche ersetzt. Die Freiräume der ehrenamtlichen Mitarbeiter werden eingeengt

und dem zentralen Ziel unterstellt, die Vielfalt eingeschränkt. Umgehensweisen erkalten. Nicht mehr

Gott lenkt, sondern weltlich und zielorientierte Menschen.

 

Was bleibt für den, der Abstand und Ruhe sucht, stressfreie Gemeinschaft, Besinnung und Lebenssinn?

Eine Gastrolle? Weggang oder Rückzug in die Unabhängigkeit? Ein Singledasein alleine mit Gott?

 

„Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen. Wer dem einen richtig dienen will, wird sich um die

Wünsche des andern nicht kümmern können. Genauso wenig könnt ihr zur selben Zeit für Gott und das

Geld leben.“ (Mt 6,24)

 

Gott braucht keine Organisationen, er braucht Menschen. Gott braucht kein Geld, um seine Ziele zu

erreichen, denn er hat den Menschen ihre Begabungen als Vermögen gegeben und er hat ihnen ein

Herz gegeben, diese gemeinnützig und unentgeltlich einzusetzen. Um sie dies tun zu lassen, ist

lediglich Demut vor Gott und Vertrauen in die Menschen nötig. Beides kostet nichts, außer Über-

windung. Und auch das, was vergeben wird ist kostenlos: Liebe, Barmherzigkeit und Aufmerksamkeit.

Je mehr man davon verschenkt, desto mehr hat an davon. Das ist die Logik Gottes und das sollte auch

Maßstab und Ziel aller Menschen auf allen Wirkungsebenen. sein: überfließende, selbstlose Liebe!

 

 

Gott bewahre die Menschen vor unmenschlicher, herrschender Betriebsamkeit, aufgesetzter Hektik

und gleichgültigem oder herzlosem Verhalten. Möge jeder von uns erkennen, dass wir alle

liebevolles Verständnis und selbstlose Zuwendung brauchen, die nicht zu organisieren und die zum

Glück auch vom Geld völlig unabhängig sind.

 

Amen.