Wie wird, das Gefühl von Einsamkeit gestoppt?
Leitvers
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.
Ich will ihm jemanden zur Seite stellen,
der zu ihm passt! (1.Mo 2,18)
Anfangsgebet: Ich bin einsam
Oh Gott,
ich lebe ganz allein
und fühle mich so verlassen.
Kaum jemand besucht mich
und hilflos kann ich nicht fassen
was da mit mir geschieht,
wie ich mich ständig verhalte.
Ich habe kaum noch Kraft
und bin nicht mehr der, die Alte.
Ja, ich habe mich zurückgezogen
in meiner Trauer, Wut und Leere,
damit ich wieder zur Ruhe finde
und stark ins Leben zurückkehre.
Doch Herr, es fällt mir unbegreiflich schwer
jetzt neue Kontakte zu knüpfen
und scheinbar unbefangen, unbesorgt,
in ein neues Dasein zu schlüpfen.
Oh Jesus,
ich fühle mich so schwach und ungeliebt,
komme du in mein stilles Leben.
Finde mich, beachte mich, liebe mich,
lasse mich - wieder Liebe geben!
Ich möchte wieder gebraucht werden
und befreit, bewusst im Leben stehen
und mit dir gemeinsam, ermutigt,
Gemiedenes und Neues angehen.
Erlöse uns bitte schnellstmöglich
aus unsrer einsamen Gefangenheit
und erweise uns deine Güte,
die befreit, ermutigt, erfreut, verzeiht.
Schenke uns bitte wieder die Kraft,
auf andere liebend zuzugehen
und mit ihnen und dir gemeinsam,
in ein besseres Leben zu gehen.
Amen.
Lied 209, 1-4 Ich möchte, dass einer mit mir geht
Input
Wer war schon einmal einsam?
Wer es war weiß, wie Einsamkeit sich anfühlt.
Aber wissen wir auch, was sie ist und was sie bewirken kann?
Dem gehen wir jetzt einmal auf den Grund.
Einsam zu sein bedeutet:
Sich allein und vielleicht auch verlassen zu fühlen,
kaum noch Sozialkontakte zu haben und nahezu unbeachtet zu leben.
Einsame fühlen sich von der Lebensgemeinschaft und vom Leben getrennt,
irgendwie bestraft, leer und ausgestoßen,
sich selbst überlassen, kraftlos und manchmal auch gottverlassen.
Ihre Situation macht sie unausgeglichen und vielleicht sogar etwas aggressiv.
Weshalb?
Es fehlt ihnen etwas: Es fehlen ihnen nicht nur Sicherheit und Nähe und
vertrauenswürdige Personen. Es fehlen ihnen besonders beruhigende Liebe,
sorgende Anteilnahme, wohltuende Gemeinschaft und verbindende
Mitmenschlichkeit, im Grunde fehlt ihnen das Gefühl, von anderen
beachtet, anerkannt und gebraucht zu werden!
Ich wiederhole das noch einmal: Es fehlt ihnen das Gefühl, von anderen
beachtet, anerkannt und gebraucht zu werden!
Es fehlen ihnen soziale Bestätigung und Orientierung.
Diese Bestätigung brauchen wir alle, immer wieder.
Sie sind unser Gradmesser für Zugehörigkeit und Lebenssinn. Und das,
ist unabhängig von der Anzahl der Menschen, die man um sich hat oder
die man kennt.
Das Gefühl hat etwas mit sich selbst zu tun und auch mit den eigenen
Lebenseinstellungen. Z.B. mit den Fragen:
- Habe ich im Leben den Platz gefunden, mit dem ich zufrieden bin?
- Was war und ist mir im Leben wichtig?
- Wer war/ist mein Lebensmittelpunkt? Ein Mensch oder Gott oder Beide?
- Vertraue ich Gott? Vertraue ich noch Menschen?
- Bin ich dankbar? Möchte ich mich wieder freuen?
- Möchte ich mich wieder ins Leben einbringen?
- Möchte ich wieder für andere nützlich sein?
Wissen wir, dass wir als soziale Gruppenwesen auf die Zugehörigkeit
zu anderen angewiesen sind? Sie geben unserem Leben Sinn. Sie sind für
uns überlebenswichtig, denn im Spannungsfeld zwischen Ich und Wir
wachsen und gedeihen wir Es macht uns lebensfähig. Wir brauchen diese
Herausforderung!
Hört, Hört! Die Anderen geben unserem Leben Sinn. Es sind ganz
besonders unsere Nächsten, die wir brauchen. Es sind die, die unmittelbar
um uns sind, die wir sehen, hören, berühren, riechen und fühlen können.
Ihre Nähe ist unersetzbar. Nur gemeinsam mit ihnen, sind und werden wir
nicht einsam!
Einsame sind sich bewusst, dass ihre sozialen Bedürfnisse nicht erfüllt
werden, aber sie glauben oft auch, dass sie selbst nicht die Möglichkeit
haben, das zu ändern. Das ist irgendwie falsch!
Sie alleine können das vielleicht nicht ändern, aber mit Gott im Herzen
schon. Und der sagt in 1.Mo 2,18:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm jemanden zur
Seite stellen, der zu ihm passt!
Leute, das ist nicht nur die Ehefrau oder der Ehemann. Das sind auch
Freunde und Bekannte. Das sind auch wir, du und ich. Danke, dass
es euch gibt.
Jetzt werde ich mal unbequem:
Das Gefühl der Einsamkeit zeigt uns eine tiefe Unzufriedenheit mit
den Beziehungen, die wir haben und auch mit uns selbst?!
Haben wir etwas zu unserer Einsamkeit beigetragen?
Haben wir uns vielleicht zu sehr am Anderen festgehalten
und vermissen jetzt diesen Halt?
Weshalb haben wir so wenige Freunde du Bekannte?
Haben wir unsere Kontakte gepflegt?
Wie auch immer:
Die eigene Unzufriedenheit lähmt und macht einsam!
Wann empfinden wir Einsamkeit bzw. Unzufriedenheit? Z.B.:
- Wenn wir in ein neues, noch fremdes Umfeld kommen und
niemanden kennen. - Wenn man zwangsläufig alleine leben muss.
- Wenn man sich in einer lieblosen Beziehung gefangen fühlt.
- Wenn man sich verletzt oder enttäuscht zurückgezogen hat und
da nicht mehr rauskommt.
Einsamkeit hat auch etwas mit unserem Denken zu tun! Je öfter man an
Einsamkeit denkt, desto mächtiger wird sie. Und wenn dann auch noch
Langeweile, Selbstmitleid und Geschimpfe dazukommen, dann ist sie kaum
noch auszuhalten. Dann können Einsame krank und unausgeglichen werden,
manche sogar depressiv - niedergeschlagen.
Ist denn das Gefühl der Einsamkeit nur schädlich? Das ist negativ gedacht.
Richtig ist: Das Gefühl der Einsamkeit ist nützlich! Wir empfinden es nur als
schädlich, weil wir es nicht mögen und weil wir nicht wissen oder hören wollen,
was es uns sagen will.
Manchmal ist man gerne allein und möchte seine Ruhe haben.
Ein paar Stunden oder Tage allein zu sein, kann die Akkus wieder aufladen.
Niemand ist dabei einsam. Im Gegenteil, das wirkt stärkend, befreiend und
wohltuend. Es ermöglicht Regeneration, Besinnung und Neuorientierung.
Gerade in der Stille können wir Gott sehr nahe sein.
Wer aber einsam ist, der empfindet das Alleinsein anders. Der fühlt sich
ausgegrenzt, ungeliebt, unverstanden und allein gelassen, verbannt,
zurückgesetzt oder herabgewürdigt. Bei dem kann sich ein Gefühl von
innerer Leere, von Gottverlassenheit und ‚Überflüssigsein‘ breitmachen.
Was sind die Ursachen für das Einsamkeitsgefühl?
- Die eigene Wohlfühlgruppe zerbricht.
Ein Lebenspartner verstirbt, eine Beziehung geht in die Brüche, die Kinder
sind aus dem Haus gegangen, man ist arbeitslos geworden oder in Rente
gegangen.
- Man kommt in keine Gruppe, weil man
Angst hat, Kontakte zu knüpfen, ein geringes Selbstbewusstsein hat,
oder weil man durch Krankheit oder Behinderung gehemmt ist.
- Mit unserer Gottesbeziehung stimmt etwas nicht. Wir sehnen uns nach
etwas und wissen nicht, dass es Gott ist und dass er da ist. Oder, wir
vertrauen ihm nicht in allem, auch im scheinbar Schlechten, weil wir es
nicht verstehen. Glauben wir, dass er immer Gutes tut?
Wohlgemerkt, wir sprechen von einem Gefühl, von einem inneren Signal
und nicht von der Realität! Die Realität bietet immer viele Möglichkeiten.
Einen Anflug von Einsamkeit kennt wohl jeder. Das ist normal und der vergeht
auch wieder, spätestens dann, wenn man zu seinen Alltagsaufgaben zurückkehrt.
Wenn die Einsamkeit jedoch zum Dauerzustand wird, ist es höchste Zeit,
etwas aktiv dagegen zu unternehmen! Hört, hört! Es wird Zeit, selbst etwas
dagegen zu unternehmen! Was?
Vielleicht Hilfe suchen oder Hilfe zulassen oder Freunde finden.
Tut man das nicht, besteht die Gefahr, sich noch mehr zurückzuziehen und
gar keine sozialen Kontakte mehr zu pflegen. Man isoliert sich selbst, igelt
sich immer mehr ein, wird dadurch totunglücklich und leidet unter der scheinbar
ausweglosen Situation.
Und das strapaziert auch den Körper! Er reagiert mit Schlafproblemen,
Herzrasen, Schwindel, Nervosität und innerer Anspannung sowie mit Krankheit.
Also: Das Gefühl von Einsamkeit ist ein positives Warnzeichen, das darauf
hinweist, dass es Zeit ist, wieder Anschluss zu suchen; Anschluss ans Leben
und Anschluss an Mitmenschen.
Es wird Zeit, sich zu überwinden und das Leben wieder gemeinsam zu erleben!
Ich muss das noch einmal wiederholen:
Nur eigene Aktivität führt aus der Einsamkeit heraus.
Als ich damals in dieser Situation war, wusste ich das nicht und wollte es auch
nicht wissen. Doch ich musste erkennen: Wenn ich nicht aktiv werde, wird
alles noch schlimmer und ich muss länger leiden.
Doch ich habe auch entdeckt: Wenn ich den ersten Schritt mache, ist Gott
schon an meiner Seite.
Ja, der 1. Schritt ist wirklich schwer. Doch die Erkenntnis von Gottes
Beistand ist sehr befreiend. Bei meinen Kontakt-Schrittchen musste ich auch
erkennen, dass andere für einen Kontakt nicht immer bereit waren.
Da hilft nur Geduld.
Kennenlernen und gegenseitiges Vertrauen gewinnen, geschieht in vielen
kleinen Schritten. Gelegenheit dazu bieten u.a.:
Die Nachbarschaft oder Vereine, die Kirchengemeinde, bei Festen,
im Gottesdienst, in Bibelkreisen oder Hauskreisen oder, Interessengruppen,
Veranstaltungen und Seminare.
Voraussetzung ist immer: Ich muss aktiv werden und bleiben.
Betrachten wir noch einmal die positive Seite:
Gerade die Zeit der ungeliebten Stille gibt uns Gelegenheit, aus unserem
Dilemma herauszukommen. Dagegen anzukämpfen, hilft nicht weiter.
Aber was hilft?
Das Gegenteil! Nicht dagegen anzukämpfen und nicht wegzulaufen.
Es ist heilsam, den Schmerz zulassen und ihm auf den Grund zu gehen.
Er kann uns die eigene Leere und Abhängigkeit zeigen. Er kann uns auch
zurück zu unseren Träumen und Hoffnungen führen, zurück zu Liebe und
zu Glaube, zurück ins Leben.
Unsere Liebe soll wieder fließen dürfen, sich zeigen und gegeben werden.
Das belebt.
Überlege, für wen du etwas tun kannst und tue es dann ganz spontan!
(Sonst tust du es nicht.)
Dein liebevolles Tun holt dich aus deinem Schneckenhaus.
Es gibt dir wieder Freude und Zuversicht und Gottvertrauen.
Es zeigt dir: Du wirst noch gebraucht!
Beginne mit einem ersten Schritt, vielleicht mit einem Zulächeln, und wage
dann die weiteren. Und: Gebe nicht auf, damit du erkennst: Gott ist mit mir.
Ihm kann ich vertrauen, in allem. Er ist nicht nur souverän und weise und
weitsichtig, er weiß, was gut für jeden ist.
Wir werden einsam, wenn wir keine Liebe mehr spüren, weder die anderer,
noch die eigene, noch die, Gottes. Wir werden einsam, wenn wir nicht mehr
gesehen werden und uns nicht mehr freuen:
Das kann das Kind in der Familie sein.
Das kann Mutter oder Vater sein, die in der Arbeit oder in der Pflicht ersticken.
Das können Singles sein, die nichts mit sich anzufangen wissen oder
es können Kranke oder Alte sein, deren Lebensmut nachlässt.
Sie alle erkennen nicht mehr die kleinen, alltäglichen Geschenke Gottes –
und darin seine individuelle Liebe und Fürsorge.
Er ist immer da und achtet auf uns!
Ich habe lange gebraucht, um das zu erkennen.
Heute kann ich mich an seinem ständigen Geben erfreuen,
am Wohltuenden und auch am Herausfordernden und auch daran,
von ihm erzählen zu dürfen. Er ist einmalig, einzigartig, unvergleichlich!
Ich sehe ihn in euch! In ihm sind wir verbunden. Das ist schön!!! Danke dafür.
Der Wunsch Gottes ist, dass wir gelingende Gemeinschaften haben,
eine enge Verbundenheit mit ihm und liebevolle Beziehungen miteinander.
Er kennt seine Kinder. Deswegen steht in der Bibel:
Gott schenkt vereinsamten Menschen ein Zuhause, Gefangene führt er
in Freiheit und Wohlergehen. Doch wer sich ihm widersetzt, der muss
bleiben in dürrem Land. (Ps 68,7)
Herr, wende dich mir zu und sei mir gnädig, denn ich bin einsam
und vom Leid gebeugt. (Ps 25,16)
Jesus ruft uns immer wieder zu:
Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet!
Ich werde euch Ruhe geben.
Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir,
denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab.
Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Mt 11, 28 – 29
Und er gibt jedem Menschen eine lebenslange Aufgabe:
Liebt einander, wie ich euch geliebt habe; das ist mein Gebot. (Joh 15,12)
Also, verlassen wir uns auf Gottes feste Zusage in Jes 41,10:
Fürchte dich nicht, ich stehe dir bei!
Hab keine Angst, ich bin dein Gott! Ich mache dich stark,
ich helfe dir, ich schütze dich mit meiner siegreichen Hand!
Amen.
Lied: 638, 1-3 Ich lobe meinen Gott
Fürbittgebet
Barmherziger Herr Jesus,
wir haben dir unsere Sorgen und Ängste benannt
und dabei bemerkt, dass wir damit nicht alleine sind.
Auch andere kennen sie.
Du bist unsere Hoffnung und unser Halt.
Deswegen bitten wir für alle Einsamen:
Sei du ihr ständiger Begleiter.
Lasse sie deine Gegenwart spüren,
deine Führung erkennen
und durch deinen Geist genesen.
Mögen sie bemerken,
dass du niemanden allein lässt und,
dass du nur ein Gebet entfernt bist.
Dein Name sagt uns zu: Gott hilft!
Darauf bauen wir.
Helfe uns, uns dir auch in Krisensituationen anzuvertrauen
und um deine Unterstützung zu bitten.
Helfe uns, Einsame zu sehen
und offen für sie und ihre Not zu sein.
Helfe uns, sie in unsere Gemeinde und Gemeinschaften einzubinden,
damit sie sich wieder angenommen und wohl fühlen können.
Danke Herr, für deine Liebe, dein Erhören und Befähigen.
Amen.
- Lied EG+ 94, 1-3 Danke für die Sonne, danke für den Regen

