Geistliches Leben
Hallo Du,
heute ist Christi Himmelfahrt,
heute ist das Gedenken an den Tag,
an dem Jesus Christus eingegangen ist in den Himmel,
an dem Jesus zu Gott gegangen ist,
zu seinem und unserem himmlischen Vater.
Heute ist Vatertag.
Wo ist dieser Himmel?
Ist er irgendwo oben zwischen den Sternen?
Ist er um uns herum?
Ist er vielleicht sogar in uns?
Himmel ist überall da,
wo Gott wohnt,
wo Gott anwesend ist,
wo wir ihn finden und uns auf ihn einlassen,
wo wir eine Beziehung zu Menschen oder Gegenständen aufbauen
und ihn darin finden.
In der Schönheit, Eigenart, Besonderheit,
in liebevoller Gemeinschaft,
die sich uns erschließt, wenn wir uns näher damit beschäftigen.
Nicht wo der Himmel ist, ist Gott,
sondern wo Gott ist, ist der Himmel.
Wenn ich zu etwas eine Beziehung aufbaue,
beginnt es in mir zu leben
und je intensiver diese Beziehung wird,
desto stärker lebt das andere in mir.
Wenn ich zu jemandem eine Beziehung aufbaue,
beginnt dieser Mensch in mir zu leben
und je intensiver diese Beziehung wird,
desto stärker lebt der andere in mir,
desto häufiger denke ich an ihn.
Wenn ich zu Jesus eine Beziehung aufbaue,
beginnt Jesus in mir zu leben
und je intensiver diese Beziehung wird,
desto stärker lebt er mit seinen Idealen in mir,
desto häufiger denke ich an ihn,
desto schneller werde ich ihm ähnlich.
Ich muss etwas von dem Anderen kennenlernen, wissen,
um es und ihn anzunehmen und in mir leben zu lassen.
Ich muss zu dem Anderen vertrauen haben,
um etwas von ihm übernehmen zu können,
um ihm glauben zu können.
Vertrauen aber entsteht
durch vertraut werden,
durch gemeinsame Zeit,
durch Beziehung und Gemeinschaft,
durch Wissen um den Anderen,
durch Achtung, Verständnis, Annahme und Zuwendung,
durch liebevollen Umgang miteinander,
in gemeinsamer Freude und in gemeinsam getragenem Leid.
Heute morgen rief mich mein Sohn an, um mir zu zeigen,
dass er an mich denkt,
dass er mich ehrt
und dass er meine Nähe sucht.
Im Hintergrund hörte ich
mein eineinhalbjähriges Enkeltöchterchen Alica lautstark spielen.
Sie wollte unbedingt,
dass ihre heißgeliebte Puppe auf ihrem geliebten Roller sitzt.
Sie setzte sie immer wieder darauf,
doch die Puppe rutschte immer wieder runter. Das erzürnte sie.
Sie konnte nicht verstehen,
dass die Puppe das nicht kann oder mag, was sie kann und mag.
Schließlich gelang es doch. Die Puppe blieb sitzen.
Nun wollte sie, dass die Puppe auch mit dem Roller fährt,
dass die Puppe die Freude hat, die sie selbst dabei empfindet,
dass die Puppe am Lenker lenkt, wenn sie schiebt.
Und wieder erzürnte sie es, dass die Puppe dies nicht tat.
Sie konnte es nicht verstehen,
denn in ihrer Vorstellungswelt lebte die Puppe ja.
Warum also tat sie nicht, was auch sie tat?
Warum freute sie sich nicht?
Was konnte sie denn noch tun,
um diese Puppe zu aktivieren,
um ihr ihre Liebe zu zeigen und Freude in ihr zu wecken?
In dieser Hilflosigkeit und Ohnmacht erzürnen wir schnell.
Wenn wir unsere Liebe nicht geben können, sind wir schnell hilflos.
Wir wollen es, doch es geht nicht.
Was hat in diesem Kind gewirkt?
Es hat eine intensive Beziehung zu ihrer Puppe.
In dieser liebevollen Beziehung hat die Puppe eine hohe Bedeutung.
Sie ist immer bei ihr. Sie lebt mit ihr und in ihrer Vorstellung.
Ist das nicht ein interessantes Geheimnis,
eine wichtige Erkenntnis auch für uns?
Das, womit wir uns beschäftigen, beginnt in uns zu leben!
Das, woran wir denken, bestimmt unser Handeln!
Das, womit wir in Beziehung treten,
dem öffnen wir vertrauensvoll unsere Gedankentür
damit es für uns zur geistigen und geistlichen Realität wird!
Das, woran wir Glauben, wird für uns Wirklichkeit.
Wenn ich mit etwas in Beziehung trete,
dann suche oder sehe ich etwas darin,
dann verbinde ich meinen Geist mit der Bedeutung im anderen,
dann spiegele ich meinen Geist in dem Sinn des anderen,
dann finde ich letztlich Gott in dem Gegenstand.
Und wenn ich in etwas Gott finde,
die Liebe, mit der es erschaffen wurde,
die Bedeutung, die es in der Natur hat,
die Aufgabe, die es im Zusammenwirken einnimmt,
dann finde ich daran auch Liebe,
dann finde ich darin auch Liebe.
dann drücke daran meine Liebe aus.
Wenn ich in etwas nichts finde,
wenn es mir nichts sagt,
dann bleibe ich gleichgültig,
dann bleibe ich dazu beziehungslos und leer.
Da, wo ich Gott finde, da ist auch Liebe.
Da, wo ich Gott nicht finde,
da wo Gott für mich nicht ist, da ist die Hölle nicht weit.
Gott ist überall!
Er ist um uns und in uns.
Er ist ganz besonders da, worin wir ihn vermuten.
Wir müssen ihn nur entdecken.
Und wir entdecken ihn, wenn wir ihn darin sehen.
Alles ist nichts,
wenn wir Gott darin nicht sehen,
wenn wir keine Liebe dazu haben,
wenn sich mein Geist mit dem Schöpfungsgeist in allem nicht verbindet,
wenn ich keine Verbindung dazu aufnehme, keine innere Bindung dazu eingehe.
In dieser geistigen Verbindung bin ich direkt mit Gott verbunden.
In diesem Bewusstsein bin ich mit ihm eins.
In diesem Bewusstsein bin ich mir sicher,
dass es ihn gibt und er in allem wohnt, auch in mir,
und dass ich dadurch mit allem verbunden bin, auch mit ihm.
Nur weil ich Gott für existent halte, ist er für mich existent.
Nur weil ich Jesus für real halte, lebt er in mir.
Nur weil ich an göttliche Wunder glaube, erlebe ich sie.
Viele sehen sie, doch nur wenige können sie verstehen,
glauben, für wiederholbar halten.
Wenn ich Gott verneine, kann er nicht sein.
Wenn ich ihn ablehne, weiß er nichts mit mir anzufangen.
Gott ist keine Fiktion, keine Einbildung, er ist elementar und real.
Er ist (in) Luft, Wasser, Feuer, Licht, Erde, Leben, Liebe, Lust, Freude.
Er ist in allem, was das Leben leben lässt.
Er ist auch in den Gedanken, den Ideen, in der Inspiration.
Er ist in allem, in dem ich ihn ‚Gott’ sein lasse.
Aber:
Auch der Teufel ist in allem, in dem ich ihn leben lasse.
Geistliches Leben beginnt
mit dem zulassen von Übernatürlichem,
mit dem vertrauen auf das Gute, noch nicht existente.
Glauben heißt: Gott vertrauen und auf ihn bauen.
Glauben heißt: Jesus vertrauen und seine Aussagen für wahr halten.
Heute ist Christi Himmelfahrt.
Für mich ist Jesus von den Toten auferstanden
und zurück zu unserem gemeinsamen Vater gegangen,
wo er sich für dich und für mich in jeder Situation einsetzt.

