
Was Pflanzen sagen
Ein guter Freund schenkte einmal einer Frau eine wundervolle Pflanze. Ihre Blüten waren überaus anmutig
und lieblich und ihr Blütenduft war überaus wohlriechend und angenehm. Sie war so schön, dass man in ihr
Gott selbst erkennen konnte.
Dazu erhielt sie einen versiegelten Brief, auf dem stand in Schönschrift:
Bitte erst in einem Jahr öffnen.
Sie bedankte sich für diese schöne Blume. Nach einigen Tagen stellte sie die Pflanze ans Fenster
und legte den Brief in eine Schublade. - In einem Jahr passiert viel.
Zufällig fand sie den Brief irgendwann wieder. Sie öffnete ihn und las:
Liebe Freundin, wie geht es dir?
Wie geht es deiner Blume? Sie müsste eigentlich jetzt wieder blühen.
Erfreut sie dein Herz und erquickt sie deine Seele?
Erhellt sie jeden deiner Tage neu und bereitet sie dir immer noch viel Freude.
Wenn es ihr gut geht, dann geht es auch dir gut. Das hoffe ich.
Wenn das so ist, dann kannst du dich wahrscheinlich noch gut an mich erinnern.
Und dann würde ich dich gerne heiraten und mit dir eine Familie gründen.
Ich würde gerne mit dir Kinder haben und sie gemeinsam mit dir liebevoll hegen und pflegen.
Wir könnten uns täglich aneinander erfreuen und erquicken und unser Leben auch an
trüben Tagen durch unsere gegenseitige Liebe erhellen.
Wenn das aber nicht so ist, dann hast du mich wahrscheinlich längst vergessen
und die Blume wird eingegangen sein. Alles Leben braucht eben genügend Licht, Wasser
und Dünger, genügend Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe. Alles Leben braucht jemanden,
der sich liebevoll darum kümmert und Verantwortung dafür übernimmt.
Ohne Beachtung und Achtung kann man nur dahinvegetieren und letztlich eingehen und sterben.
Und an einer toten Pflanze kann sich niemand mehr erfreuen.
Anderes war wichtiger.
Die Pflanze war längst tot und im Müll gelandet;
der Freund längst vergessen und sie ist noch alleine.
Gott sei Dank.
Bildnachweis: http://ankesgartenparadies.blogspot.com/2010/08/unser-blutenmeer-erster-teil.html

