Sucht die Nähe Gottes (Jak 4,8)
Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein! (Jak 4,8)
Hallo Du,
deine Familie hast du dir nicht ausgesucht. Du bist hineingeboren worden und gehörst einfach dazu.
Doch wenn du erwachsen bist, eine eigene Familie hast und deine eigenen Wege gehst, bist du deinen Eltern
und Geschwistern nicht mehr so nahe, nicht mehr körperlich, nicht mehr räumlich, nicht mehr in
gemeinsamer Lebensgestaltung.
Du fühlst dich ihnen zwar immer noch verbunden, magst und liebst sie noch von Herzen und bist ihnen
vielleicht auch in Gedanken nahe, doch eine enge Beziehung mit täglich gemeinsamen Erlebnissen und
Herausforderungen ist das nicht mehr. Es fehlt die ständige Bestätigung der Zusammengehörigkeit durch
Anwesenheit und Teilhabe, durch direkte Verbundenheit. Es fehlen die Informationen darüber, was in ihnen vorgeht,
was sie bewegt, was sie empfinden, was sie durchleben und worauf sie hoffen. Es liegt an uns, immer wieder die
Nähe zu ihnen zu suchen, damit auch sie uns nahe sein können.
Wer weise ist, pflegt soziale Kontakte. Wir sind zwar Individuen, aber dennoch Gruppenwesen.
Wir brauchen die Interaktion, den Gedanken und Meinungsaustausch, das Geziehe für die Erdung, die gegenseitige
Hilfe und Unterstützung, diese Form von Sicherheit und Nähe. Wir brauchen Vorbilder, Lehrer, Freunde, Bekannte
und Kollegen, unsere Nächsten. Wir sitzen im gleichen Lebensboot, leben irgendwie zusammen, werden gemeinsam
älter, lernen voneinander, verbringen Zeit miteinander.
Und irgendwann stellen wir fest, wird uns bewusst, dass das Boot eigentlich zu klein ist, dass es nur im Kreis fährt,
dass eine unerwartete Sehnsucht uns weiten möchte. Wir schauen über die Bordwand hinaus und erkennen, dass
der Himmel hoch, weit und offen ist. Wir sehen den Horizont und hoffen, dass uns dahinter Neues, Besseres,
Erhabenes, Schönes, Herrliches erwartet. Es könnte auch anders sein. Trotzdem drängt es und zu neuen Ufern,
zu weiterem Wachstum, zu innerer Erweiterung.
Was wäre, wenn dieses Dasein nicht mein richtiges Zuhause ist? Was, wenn mein ständiges Sehnen mich dorthin
zurückbringen möchte? Was, wenn ich es wage, das Unsichtbare zu suchen, mich ihm zu nähern, es zu erkunden
und herauszufinden, was es mir zu geben hat?
Ich müsste aus mir heraus gehen, mich hinterfragen, mich mit anderen Augen sehen, meine Begrenzungen
und Ängste überwinden, mich auf Fremdes und Ungewohntes einlassen. Will ich das?
Das ist keine Frage des Wollens. Ich kann nicht anders, als zu suchen. Zu leben, heißt suchen und wer sucht,
der findet auch. Wir suchen zunächst in unserer Umgebung und bei den anderen, dann in uns und schließlich
auch über uns. Unsere Suche ergibt, dass es mehr gibt als das, was wir sehen, hören, riechen, schmecken,
berühren können. Es gibt Mächte und Gewalten, die auf uns einwirken und denen wir uns nicht entziehen können,
die um uns kämpfen, die uns Schützen oder Verderben wollen.
Die Bibel gibt diesen Mächten Person und Namen. Der Schöpfer und Erhalter des Lebens ist Gott, unser himmlischer
Vater. Der Verderber und Vernichter ist sein Gegenspielen, Satan.
Welcher von Beiden bestimmt mein Leben? Früher kannte ich Beide nicht, aber ich wusste, was gut und was
schlecht für mich war. Das war meine Orientierung. Aber, manches Schlechte erscheint kurzfristig gut und
erstrebenswert und manches Gute erscheint zu gut und schwer erreichbar.
Lebe ich unbewusst im Bereich von Satan, weil sich immer wieder Unordnung und Misserfolg in meinem Leben
einschleicht, in dem Verletzung, Zurücksetzung und Gewalt an der Tagesordnung sind, in dem ich ein Mitwirker an
Verletzung und Lieblosigkeit bin, in dem mich der Tod ständig bedroht und schließlich zu sich holt?
Oder lebe ich im Bereich Gottes? Es gibt so viel Schönes und Gutes um mich herum. Auch ich bin meistens nicht nur
schlecht und, ich lebe (noch)!
Mir wird bewusst: Ich lebe in beiden Bereichen und beide Seiten fordern mich heraus. Sie lassen mir keine in Ruhe.
Sie wollen, dass ich mich zwischen ihnen entscheide!
Ich habe versucht, diese Entscheidung aufzuschieben oder zu umgehen, doch der Unfriede um mich herum und in
mir wurde immer größer. Das ist also keine Lösung.
So weiterleben wie bisher, in zwei Welten, hin und her gerissen, unbestimmt, ohne feste Ausrichtung und
Orientierung, ohne Halt und Perspektive, will ich aber auch nicht!
Also, was bleibt? Wenn es diesen Gott gibt, will ich ihn suchen, von ihm hören, ihn kennenlernen, mit ihm reden,
ein Mitglied in seiner Familie werden, vielleicht bei ihm mein Zuhause finden.
Wer kennt ihn? Wo finde ich ihn? Wie komme ich zu ihm? Wie findet er mich?
Wer kennt ihn?
Es gibt Menschen, die ihn schon lange kennen; von Gott überzeugte Christen, die ohne ihn nicht mehr leben wollen
und die so manches überzeugende Wunder mit ihm erlebt haben. Mitmenschen, die gerne von ihren Erlebnissen mit
ihm erzählen, die aus Sucht, Abhängigkeit und schlechten Bindungen befreit wurden, die ahnungslos und blind
waren und nun verwundert zurückblicken, was aus ihnen geworden ist.
Wo finde ich ihn?
Ich finde ihn in ihnen, in ihrem liebevollen Wesen und Verhalten, in ihrem Geist und in ihrem Herzen.
Ich finde ihn in der wunderbaren Natur, in den Schönheiten der Schöpfung, in der Erhabenheit von Naturereignissen,
in jeder Pflanze und jedem Tier.
Ich finde ihn in der Bibel, in 'seinem' Buch, in den Berichten über ihn und von ihm.
Ich finde ihn bzw. seinen Geist in den Gottesdiensten, in den Kirchengemeinden.
Wie komme ich zu ihm?
Indem ich mich für ihn entscheide, mich von Jesus, seinem Sohn ansprechen und beeinflussen lasse, auf ihn höre
und mich von ihm leiten lasse, ihn mir zum Vorbild nehme. Indem ich im Geist und im Herzen seine Nähe suche, im
Gebet mit ihm spreche, ihn bitte und ihm danke, ihm sage, was mich bedrückt und was mich erfreut, worauf ich
hoffe und wo ich ihn brauche. Ich gehöre zu seiner Familie, wenn ich mich an ihn halte und mein Leben mit ihm
verbringe und gestalte, wenn sein Geist, sein Wollen in mir gegenwärtig ist, wenn ich ein fruchtbarer Boden für seine
Werte werde.
Wie findet er mich?
Er war schon immer bei mir. Er hatte mich schon gefunden, nur, ich habe ihn nicht bemerkt oder ich wollte von ihm
nicht wissen. Ich hatte nicht an ihn und seine Möglichkeiten geglaubt.
Er lässt sich bemerken, wenn ich einen Sinn für ihn entwickle, wenn ich sein tägliches Eingreife bemerke, wenn ich
im Bewusstsein seiner Begleitung und Gegenwart lebe, wenn der unsichtbare Gott in meinem Leben real wird.
Gibt es Beweise dafür? Ja, viele.
Ich bin nicht mehr der Boss, nicht mehr auf mich alleine gestellt.
Ich lerne abzugeben und loszulassen.
Meine Aufgabe erhält einen Sinn und ich erledige sie gerne.
Meine Werte und Einstellungen ändern sich.
Boshaftigkeit und Unehrlichkeit, Hochmut und Überheblichkeit, Neid, Eifersucht und Egoismus, Minderwertigkeit,
Zweifel, Aggression und Zwänge verschwinden.
Ansprüche, Forderungen und Erwartungen weichen.
Gottvertrauen und Gottergebenheit, Sicherheit und Dankbarkeit, Glaube und Zuversicht wachsen.
Die Wesenszüge Gottes, seine geistigen Merkmale, werden an mir sichtbar.
Sein Geist bringt in meinem Leben das verborgene Gute hervor: Liebe und Freude, Frieden und Geduld,
Freundlichkeit, Güte und Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung.
Trotz menschlicher Gefühle oder Schwächen werde ich zu einem geschätzten Mitbürger, weil ich Gott achte und
schätze, weil ich mich kenne und achte, weil ich mitmenschlich geworden bin.
Es lohnt sich: ' Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein!
Er lässt sich gerne finden. Sucht ihn in euch. Er ist schon da.

