Die Gnade des Vergessens
Hallo Du,
es gibt Menschen, mit einem guten Gedächtnis,
manche davon rühmen sich, intelligent und klug zu sein,
sie speichern Zahlen, Namen oder Fakten,
Eindrücke, Erlebnisse oder Zusammenhänge,
Bilder, Texte oder Formeln.
Durch häufiges memorieren wird das Gespeicherte
immer tiefer im Gehirn eingebrannt.
Unser Leben baut darauf auf,
dass wir aus Erfahrung klug werden,
dass wir uns an Erlebnisse erinnern,
dass wir Erinnerungen haben,
dass wir Gelerntes behalten,
dass wir uns entsinnen und besinnen,
dass wir zurückdenken.
All das geschieht im Kopf,
in Gedanken und im Denken.
Wir werden von Eindrücken überwältigt,
von Fakten überrollt,
von Nachrichten überschüttet,
durch die Datenmenge überfordert,
blind für das Wesentliche und
unfähig zur Entscheidung.
Kopfmenschen kreiseln oft
um ihre Gedanken,
um ihre Hoffnungen und Ängste,
um ihre Wirkung auf andere
um unlösbare Lösungen,
um ihre Eitelkeit.
Sie schaffen es nicht,
sich vorbehaltlos auf etwas einzulassen,
sich ganz dem Hier und Jetzt zu überlassen,
sich selbst ganz zu vergessen,
selbstvergessen zu spielen, zu arbeiten und zu leben.
Die Weisheit liegt deshalb nicht im Erinnern,
sondern im barmherzigen, gnädigen Vergessen.

