Die Gnade des Herrn (Apg 14,3)
Unerschrocken verkündigten sie die Gnade des Herrn. (Apg 14,3)
Hallo Du,
einer meiner Vorfahren war ein bekannter Baumeister, der dem russischen Zaren eine
Sommerresidenz bauen durfte. Der Zar war sehr angetan von deren Eleganz und erwies
ihm als Anerkennung und Auszeichnung seine wohlwollende Gunst. Er schenkte ihm einen
großen Diamantring, der noch heute im Familienbesitz ist.
Eine ganz andere Gunst ist mir von Menschen und geschenkt worden. Wenn ich als Kind
Eseleien oder Dummheiten machte, drohte mir Strafe. Doch manchmal übte meine Mutter
überraschend Milde und Nachsicht. Vielleicht, weil ich den Fehler zugab; vielleicht, weil sie
Verständnis hatte; vielleicht, weil ihre Liebe größer war als ihr Ärger. Das war sehr wohltuend.
In diesen Momenten ihrer Gnade fielen mir Steine vom Herzen und ich liebte sie umso mehr.
Mittlerweile bin ich viel älter und im Ruhestand und Streiche zum Schaden von anderen
mache ich nicht mehr. Und doch mache ich auch heute noch Fehler oder verletze unabsichtlich
andere. Ich vergesse viel, bin nicht mehr so zuverlässig, die Kräfte lassen nach und der Körper
setzt mir Grenzen. Und manchmal, wenn mir Unrecht widerfährt, neige ich zu Unmut. In mir
kämpfen Verständnis, Liebe, Milde und Nachsicht mit Zorn, Vorwurf, Abwehr und Ablehnung.
Der Kampf der tobenden, negativen Gedanken mit dem liebenden Herzen ist für mich die Hölle.
Und ich ringe darum, wieder zu meiner Liebe und Mitte, zu Gott und dem Guten zurückzufinden.
Deshalb bin ich auch heute noch auf Verständnis, Milde, Nachsicht und Gnade meiner Mitmenschen
und von Gott angewiesen.
Muss das sein? Ja! Auch als Erwachsener muss ich mich für meine Gedanken, mein Verhalten,
Tun und Unterlassen verantworten. Selbst wenn ich mich vor den Menschen um die unangenehme
Verantwortung drücke, vor Gott geht das nicht.
Er gab mir das Leben und eine Lebensaufgabe und er gibt Kraft, beides zu meistern. Er kennt
mich genau und weiß, was ich tue. Vor ihm lässt sich nichts verheimlichen.
Durch seine Gebote und das Beispiel und Handeln Jesu weiß ich, was gut oder schlecht ist, Recht
oder Unrecht ist. Und weil ich weiß, dass er mich uneingeschränkt liebt und die jeweilige Situation
versteht, überwinde ich meine Peinlichkeit und beichte ihm, was mich bedrückt, beschmutzt oder
vergiftet. Ich baue auf seine Gnade, auf die Vergebung durch das Blut Jesu.
Und: Er hilft mir immer wieder, das Negative zu überwinden und zurück zu ihm zu finden. Vor ihm
finde ich jedes Mal wieder Milde, Nachsicht, Gnade und Vergebung. Das ist wohltuend, entlastend
und befreiend. Dafür liebe ich ihm umso mehr. Dafür bin ich unendlich dankbar und diese
Dankbarkeit öffnet mir das Herz und den Mund. Ich kann nicht anders, als ihn unerschrocken zu
loben, zu preisen und vor euch zu bekennen, damit sich die Gnade des Herrn herumspricht und
ausbreitet.
Der Leitvers: 'Unerschrocken verkündigten sie die Gnade des Herrn.' beinhaltet die gesamte Gute
Nachricht.
Die Zeit des Gesetzes und der Strafe dafür, dass wir es nicht einhalten können, ist vorüber. Das
Zeitalter der Gnade des Herrn ist angebrochen. Gott hat ein Einsehen mit unserer menschlichen
Fehlbarkeit und Begrenztheit. Aus Liebe zu uns opfert er seinen Sohn für unsere Fehler und Sünden.
Er vergibt uns, damit wir als seine Kinder vertrauensvoll zu ihm zurückkommen und uns von ihm leiten
lassen. Er weiß: Das Gute lässt sich nicht durch Androhung von Strafe und durch Angst erzwingen.
Das Gute wächst und reift allein durch vorbildliche Liebe, durch freundliche Führung, durch
unverdiente Gnade, durch Güte und Milde, durch vertrauensvolle Verbindung und unendlicher
Dankbarkeit für die gnädige Verschonung. Das macht uns stark und unerschrocken.

